Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

02.05.12; Bernd Tiggemann

Die Steuerklärung

Es war dieser typische graue Umschlag. Post vom Finanzamt. Drei Tage lag er ungeöffnet auf dem Küchentisch. Ich traute mich einfach nicht, ihn zu öffnen.

Denn es war ja sonnenklar, was da drin war. Der Steuerbescheid für das Jahr 2011.

Ich wollte der traurigen Wahrheit nicht ins Gesicht schauen. Als ob nicht öffnen, das verhindern würde. Mein Steuerprogramm hatte ausgerechnet, dass ich fast 1.000 Euro nachzahlen muss. Geld, das echt weh tut.

Morgen mache ich den Brief auf, nahm ich mir beim Einschlafen vor. Morgen, ganz bestimmt. Drei Tage immer wieder einen Grund gefunden, es nicht zu tun. Aber egal was ich tat, immer muss ich auf den blöden Brief gucken. Ich war gereizt und hatte schlechte Laune.

Schließlich fasste ich mir ein Herz und riss den Umschlag auf.  Klar, es ist mein Steuerbescheid. Ich hatte ein flaues Gefühl als ich unten die Zahlungsaufforderung suchte. 

Ich musste zweimal hinschauen, um es zu kapieren: ich muss nicht 1.000 Euro zahlen. Im Gegenteil: ich bekomme 300 Euro zurück. Mein Steuerprogramm hat sich verrechnet. Oder ich was falsch eingegeben. Vor lauter Freude könnte  ich Luftsprünge machen. Komisch, dieses tolle Gefühl hätte ich schon drei Tage eher haben können. Manchmal lohnt es sich, der Wahrheit ins Auge zu schauen. Sofort.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Die Steuerklärung


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