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"Mit-Tanzen"
Ein Chinese (s sind schon an 200 Jahr) / In Frankreich auf einem Hofball war./ Und die einen frugen ihn: ob er das kenne? / Und die andern frugen ihn: wie man es nenne? /
Wir nennen es tanzen, sprach er mit Lachen, / Aber wir lassen es andere machen. // Und dieses Wort, seit langer Frist, / Mir immer in Erinnerung ist. / Ich seh das Rennen, ich seh das Jagen, / Und wenn mich die Menschen umdrängen und fragen: / Was tust du nicht mit? Warum stehst du beiseit? / So sag ich: Alles hat seine Zeit. / Auch die Jagd nach dem Glück. All derlei Sachen, / Ich lasse sie längst durch andere machen.
Das hat ein Dichter geschrieben. Theodor Fontane. Es klingt nach Abgeklärtheit und Altersweisheit. Aber im Grunde muss sich jede Generation ständig zwischen Herumwirbeln und zufriedenem Festhalten entscheiden, auch jungen Menschen kann man deshalb den Vers durchaus in ihr Poesiealbum schreiben. Denn die Jagd nach dem Glück sie kann einem das Leben auch vermasseln.
Klar, man muss sich immer wieder in die unterschiedlichsten Situationen einbringen, sich ausprobieren, schlichtweg mittanzen in den Ballsälen der Welt in jungen Jahren vielleicht noch stärker als später, wenn man seinen Platz im Leben gefunden hat.
Die wenigsten von uns wissen ja von ihrer Geburtsstunde an, wofür und wozu gerade sie geschaffen sind. Sicherlich, ich kenne Menschen, die haben eine einzige große Begabung: Künstler, Mathematiker, Gartenliebhaber. Die wissen ganz genau, auf welchen Lebensbühnen sie auftreten wollen und Erfolg haben werden. Wir anderen aber, wir müssen erst einmal mühsam herausfinden, was in uns steckt, und von uns ans Tageslicht befördert werden will.
Wenn ich mein Leben überschaue, wundere ich mich schon, wo überall ich versucht habe, mich einzubringen, um tja, um mich selber zu finden. Und wie viel habe ich davon wieder umgeschmissen. Vielen von Ihnen wird es ähnlich ergangen sein: Das fängt bei den unterschiedlichsten menschlichen Beziehungen an. Man probiert sie aus, um einige davon dann doch wieder zu beenden. Das führt über die beruflichen Felder, die man beackert und auch wieder brach liegen lässt. Und hört noch längst nicht bei den Freizeitvergnügungen auf, bis man endlich, endlich das richtige Instrument oder den passenden Verein gefunden hat.
Dann ist es aber auch gut. Wenn man glücklich ist, hat Theodor Fontane auch einmal geschrieben, dann soll man nicht noch glücklicher sein wollen. Ist man in einer zufriedenstellenden Lebenslage angekommen, dann kann man gut dort bleiben und sie weiterhin vertiefen. Aber gerade jungen Menschen wird diese Zufriedenheit oft ausgeredet, und Kontinuität madig gemacht. Die Wirtschaft profitiert davon, wenn sie den Menschen suggeriert: Dein Aussehen, deine Beziehungen, deine Interessen, Träume und Talente musst du ständig neu erfinden. Nichts darf länger als eine Saison dauern, weil heutige Mode-Erscheinung schon morgen veraltet ist. Das trifft nicht nur auf Kleidung und Outfit zu, sondern beherrscht den Musikmarkt genauso wie Glaubens-Trends. Fatal. Denn kein Mensch kann sich jeden Tag neu definieren.
Wenn du dich und deine Fähigkeiten schließlich entdeckt hast, dann halte sie fest und setze sie optimal ein. Denn Gott hat ja sehr bewusst jedem Menschen ganz eigene, persönliche Lebensmöglichkeiten beschert. Unverwechselbar. Hat man sie gefunden, wie einen Schatz, dann besteht wohl die weitere Lebensaufgabe genau darin, sie liebevoll zu pflegen. Jedes Ding, heißt es beim Prediger Salomos, hat seine Zeit. Ja, es gibt Zeiten, da ist tatsächlich Umherstreifen, Auseinandersetzung und Tanz angesagt. Und es gibt Zeiten, da ist Festhalten angesagt, Sammeln und nicht ständig Aussortieren, Behalten und nicht permanentes Umherstreifen und Suchen. Das überlasse ich dann gerne anderen oder, wie Fontane sagte: Auch die Jagd nach dem Glück. / All derlei Sachen, / Ich lasse sie längst durch andere machen.
Einen schönen Tag beim Tanz durchs Leben und beim Festhalten, Vertiefen und Genießen wünscht Ihnen Pfarrer Max Koranyi aus Königswinter.
"Mit-Tanzen"
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