| |
Nimm eins - nicht zwei
Kennen Sie das Arche-Noah-Prinzip? Nein, nicht den Science-Fiction-Film aus den 80er-Jahren von Roland Emmerich. Sondern eine kluge Methode zum Lebenserhalt.
Das Arche-Noah-Prinzip lässt sich auf die Kurzformel bringen: Nimm zwei.
Bei Noah hieß das: zwei Löwen, zwei Sperlinge, zwei Käfer, zwei Nilpferde, zwei Schafe, und so weiter. Immer ein Weibchen und ein Männchen. Zur Erhaltung der Arten. Die Werbung hat sich das Prinzip längst für eigene Zwecke zunutze gemacht mit bekannten Slogans wie: Nimm zwei oder Nimm zwei und spar dabei.
Das habe ich bereits verinnerlicht. Bei einem Bonbon allein bleibt es bei mir sowieso nie. Und auch beim Einkaufen gehe ich der Werbebotschaft auf den Leim.
Schwuppdiwupp platzt der Vorratschrank aus allen Nähten: Küchenrollen im Angebot? Nehme ich gleich zwei Pakete. Die Tomatensauce im Glas hält sich lange. Da kaufe ich gleich zwei von jeder Sorte. Die modische Strickjacke aus Italien sensationell günstig. Nehme ich eine in schwarz und eine in grau. Zeitlos schön. Paarweise stapeln sich die Schnäppchen in den heimischen Regalen - Zahnpastatuben, Waschmittel, Rotkohl im Glas, Thunfisch in der Dose, Weihnachtsservietten, Zwieback.
Das Arche-Noah-Prinzip oder kurz gesagt Nimm zwei ist das nun ein gutes Prinzip? Zu Noahs Zeit ja. Weil es ihm half, Leben, das heißt die Vielfalt der Arten zu retten. Die Werbung hat das Prinzip geklaut und pervertiert. Jetzt geht es nicht mehr darum, die Schöpfung, die Natur, die Vielfalt der Tierarten zu erhalten, sondern um Gewinnmaximierung. Kauft mehr, kauft zwei oder auch kauft Drei für den Preis von zwei.
Und die deutschen Nachfahren von Noah sammeln und sammeln und werfen am Ende tonnenweise Lebensmittel, Kleidung, Elektrogeräte und Möbel weg, weil die so genannten Schnäppchen im Vorratsschrank vergammeln oder es immer was Neues gibt, was ihnen attraktiver vorkommt. Zwanzig Millionen Tonnen Lebensmittel sind es allein in Deutschland jedes Jahr, die vernichtet werden. Das ist soviel wie eine Lastwagenkolonne von Dortmund bis Teheran. Oder anders gesagt: Jeder deutsche Haushalt wirft jährlich im Schnitt Lebensmittel für 400 Euro in den Müll.*
Das Arche-Noah-Prinzip kann heute also zur Rettung der Umwelt, zum Schutz der Menschen, Tiere und Pflanzen nicht mehr herhalten. Ein neues Prinzip muss her. Und das heißt für mich: Nimm eins. Oder: Nimm nur soviel, wie du wirklich brauchst und verbrauchen kannst. Dann gibt es mehr zu verteilen an die Hungernden der Welt und das schafft Gerechtigkeit. Du hast mehr Geld im Portemonnaie. Und du schaffst einen freien Raum für klare Gedanken. Denn das Zuviel von allem nimmt dir Platz in der Wohnung. Vor allem aber in deinem Kopf und deinem Herzen. Nimm eins, nimm nur, was du wirklich brauchst. Eine gute Formel für mehr erfülltes Leben.
* UNSERE KIRCHE Nr. 13, 25.-31.3.2012, Ehr das Essen! von Gerd-Matthias Hoeffchen.
Literatur: Stefan Kreutzberger/Valentin Thurn: Die Essensvernichter, Kiepenheuer & Witsch, 2011.
Nimm eins - nicht zwei
|