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Nach Ostern ist vor Ostern
Nach Ostern ist vor Ostern. Die Feiertage und Ferien sind vorbei. Der Alltag hat uns wieder:
Der Radiowecker am Morgen, das verspätete Aufstehen, die wenigen Minuten im Bad, das schnelle Frühstück, der Lauf zur Haltestelle.
Vielleicht nicht schlecht, denke ich. Wegen der vielen Schokolade und dem Cholesterin. Im Bus der morgendliche Kampf um Quadratzentimeter. Das Aufatmen draußen. Überlebt.
Und was habt Ihr Ostern gemacht? fragt der Kollege im Vorbeigehen. Ich überlege: Eier verstecken, Eier suchen, Eier essen, Osterhasen köpfen. Spazieren gehen, Kino. Wir waren auf den Malediven, ruft der Kollege noch von weitem durch den Gang, bevor er tänzelnd im Aufzug verschwindet.
Wie war das noch mit Ostern? Irgendwie ging es auch ums Aufstehen, um ein anderes Leben. Neues Leben hat jedenfalls nichts mit meinem Alltag und Überleben zu tun. Wenn schon eher mit den Malediven, und ich merke einen Anflug von Neid. Im Büro schalte ich den PC ein und google: Ostern die jährliche Gedächtnisfeier der Auferstehung Jesu.
Ich erinnere mich: Der Mann wagte damals den Aufstand gegen alltägliche, ungerechte Strukturen, die allein den Mächtigen dienten, nicht den Menschen. Er verlor den Kampf. Man legte ihn aufs Kreuz und meinte damit, die Sache erledigt zu haben. Tod ist Tod. Fertig. Mit seiner rechtskräftigen Verurteilung sollte alles so weitergehen können wie bis dahin. Seine Sympathisanten hatten sich von ihm viel erhofft. Jetzt erlebten sie das Ende. Noch während seines Prozesses mussten sie selbst vor der Polizei untertauchen.
Mit Ostern verbindet man ursprünglich nicht erhöhte Cholesterinwerte, sondern die Idee, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn mit dem Tod alles zu Ende wär (Kurt Marti)!
Genau darüber erzählen ein paar merkwürdige Geschichten in der Bibel, die sich einige Tage nach der Hinrichtung Jesu ereigneten. Da steht jedenfalls nichts von den Malediven, nach dem Motto: Mach mal Urlaub. Du scheinst am Ende zu sein! Da steht auch nichts von Eier verstecken und Eier suchen. So schön das mit der Familie sein kann. Es geht vielmehr darum, dass sich durch Ostern das Verständnis von Leben und Tod, Alltag und das, was wir Realität nennen, verändert haben. Während wir mit der Organisation unseres Überlebens, mit unserem Alltag beschäftigt sind, gibt Gott den Totgesagten Recht. Auf einmal gerät alles durcheinander: Tod ist nicht mehr Tod. 2 und 2 ist nicht mehr 4. Gesetze sind für den Menschen gemacht und nicht umgekehrt.
Mitten im Tod sind wir im Leben, hat Martin Luther mal dazu gesagt.
Die merkwürdigen Ostergeschichten in der Bibel erzählen von Menschen, die aus ihren Verstecken kommen, ihre Angst ablegen und Alltag neu gestalten. Auferstehung passiert mitten drin, unter uns. Wenn jemand plötzlich Dinge tut, die man nie erwartet hätte: Da macht einer im Betrieb den Mund auf, der völlig tot zu sein schien. Eine Frau steht vom Küchentisch auf und sagt plötzlich: Das kann doch nicht alles gewesen sein!
Die Feiertage und Ferien sind vorbei. Der Alltag hat uns wieder. Nach Ostern ist vor Ostern. Ich wünsche Ihnen und mir in dieser Woche einen Augenblick, wo wir uns mitten im Alltag ganz neu lebendig fühlen! Mitten im Alltag Leben eben.
Nach Ostern ist vor Ostern
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