Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

20.04.12; Jost Klausmeier-Saß

Fußball und Vorurteile

Sprecher: Ahmet spielt Fußball. Beim TSV Horn in Westfalen. Einem Fußballverein mitten in Deutschland.

Ahmet: „Da spielen halt, sag ich mal, überwiegend Türken drinnen, aber sind auch deutsche Kollegen dabei, Fußballkollegen.“

Sprecher: Ahmet spielt begeistert, Woche für Woche. Weil ihm Fußball unglaublich Spaß macht. Spass bis auf die regelmäßigen Sprüche von den gegnerischen Fans:

Ahmet: „Dann wurden wir halt von außen, von den Fans beleidigt- also mit ‚Scheiß Türken’ und so, obwohl wir halt in der Mannschaft auch deutsche Mitspieler haben.“

Sprecher: Und auch die gegnerischen Spieler nerven Ahmet regelmäßig mit ihren Sprüchen:

Ahmet: „Wenn wir mal Foul machen sollten, falls das mal passiert, werden wir halt immer mit ‚Scheiß Türken’ beleidigt – aber wenn die mal z.B. uns foulen, dann ist das halt nur ein Foulspiel und dann sagen die halt immer, dass Körperkontakt zum Fußball gehört.“

Sprecher: Das dauernde Beschimpft – Werden zermürbt. Und nimmt die Freude am Spiel. Verrückt eigentlich: Man geht als Spieler zum Fußball, um Spaß zu haben und kassiert stattdessen Beleidigungen. Man will als Fan seine Mannschaft anfeuern und beleidigt stattdessen die Gegenspieler.

Ahmet: „Nach dem Spiel will man den zur Rede stellen, aber – hat man auch keine Lust mehr dazu – geht man einfach in die Kabine, nimmt ne Dusche und fährt nach Hause.“

Sprecher: Er nimmt den Frust mit nach Hause, dass im Zeitalter von Ilkay Gündogan und Mesut Özil auf deutschen Fußballplätzen „Türke“ immer noch ein Schimpfwort ist.
Eigentlich müssten wir da doch dann schon viel weiter sein – überall in Deutschland - oder?

Sprecher: Daniel Schneider

Audiobeitrag Fußball und Vorurteile


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