Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.04.12; Jost Klausmeier-Saß

Segregation

Sabri: „Ich bin mit meiner Freundin da hingegangen. Mit meiner deutschen Freundin – und auch mit deutschen Kollegen halt. Ging gar nicht.

Also, die durften zwar rein aber ich dann nicht.“

Sprecher: Sitzplätze für Schwarze hinten. Sitzplätze für Weiße vorne im Bus. Restaurants, Bars, Clubs strikt nach Herkunft getrennt. Segregation oder segregation nannte man in den USA ein System, das Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe nicht zusammen leben ließ. Strikte Trennung, auch in der Freizeit. Das gab es noch bis vor 50 Jahren.

Sabri: „Wenn die einmal sagen ‚heute Abend nicht’ und egal, wie lange man mit denen spricht – es geht gar nicht.“

Sprecher: Sabri im Ruhrgebiet geboren, hat türkische Wurzeln. Sabri kann Segregation in Deutschland an jedem Wochenende erleben, - wenn er will. An Clubtüren, vor Diskotheken. Wenn die Türsteher ihn wegen seiner Haarfarbe aussortieren.

Sabri: „Die erkennen uns schon von weitem und die sagen „Heute Abend nicht“ – und dann kommen wir auch nicht da rein.“

Sprecher: Klar weiß Sabri, dass manche Clubbesitzer schlechte Erfahrungen mit unangenehmen Gästen gemacht haben. Auch mit Leuten, die wie er türkischer Herkunft sind. Aber dass er deshalb in vielen Clubs pauschal vom Feiern ausgeschlossen wird, das ärgert ihn:

Sabri: „Die wissen gar nichts über mich: Wie ich da drinnen feiern werde.  Die lassen mich einfach nicht rein. Und das finde ich nicht toll. Man denkt halt, man ist ein Außenseite.““

Sprecher: Solche Erfahrungen machen bitter, und Sabri erwartet oft schon nichts anderes mehr als Ablehnung an der Discotür:

Sabri: „Es sei denn, man ist blond.“

Sprecher: Daniel Schneider

Audiobeitrag Segregation


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