Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.04.12; Pfarrer Dietmar Silbersiepe

Das Leben nach dem Tod

Jesus lebt. Der gekreuzigte, der tote Christus: auferstanden in ein neues Leben, in den Himmel bei Gott. Ist schon ne echte Zumutung, was die Christen mit Ostern verbinden,

dem Fest der Auferstehung. Schließt ja ein: Es gibt ein Leben danach, ein Leben jenseits der Todesgrenze, für Jesus, wie auch für die, die ihm folgen werden. Wie um alles in der Welt soll man das glauben können, wie sich vorstellen? Die Bibel hält sich mit spekulativen Beschreibungen und Details zurück. Vom Himmel spricht sie allenfalls in zarten Bildern und Symbolen: „Gott wird abwischen die Tränen von den Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid und Geschrei noch Schmerz wird mehr sein“.
Wie schön! Zu schön, um wahr zu sein? Zu wahr, um nicht schön geglaubt zu werden! Warum jedenfalls sollten wir uns von unserem Verstand und unseren begrenzten fünf Sinnen vorschreiben lassen, was möglich ist und was nicht – jenseits der sichtbaren Welt.

Meint auch der niederländische Priester und Psychologe Henry Nouwen, der uns ein interessantes Gespräch überliefert hat. Ein noch nicht geborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch der Mutter.

Sprecher 1: „Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“

Sprecher 2: „Auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das, was draußen an der frischen Luft kommen wird.“

Sprecher 1: „Ich glaube, das hast du eben erfunden! Es kann kein Leben nach der Geburt geben - und wie soll denn 'frische Luft' bitteschön aussehen?“

Sprecher 2: „So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller sein als hier. Licht wird um uns sein“.

Sprecher 1: „Licht, was ist das?“

Sprecher 2: „Wir werden sehen. Und vielleicht werden wir herumlaufen können und mit dem Mund tolle Sachen essen“.

Sprecher 1: „Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns nährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Schnur doch viel zu kurz.“

Sprecher 2: „Ach, das geht bestimmt. Es wird eben alles ganz anders sein.“

Sprecher 1: „Du träumst wohl! Es ist noch nie einer zurückgekommen von 'nach der
Geburt'. Mit der Geburt fallen wir ins Nichts. Dann ist das Leben zu Ende. Aus und vorbei.“

Sprecher 2: „Natürlich weiß keiner genau, wie das Leben 'nach der Geburt' aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden, und sie wird sicher für uns sorgen.“

Sprecher 1: „Mutter? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo soll denn DIE nun bitteschön sein?“

Sprecher 2: „Na hier - überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!“

Sprecher 1: „Du phantasierst! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht!“

Sprecher 2: „Oh doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie leise singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt ganz sanft und liebevoll streichelt“.

Autor: Da misch ich mich am Ende gerne noch kurz ein und verrate Ihnen ein Geheimnis. Manchmal habe ich das ganz bestimmte Gefühl: Nicht erst im Himmel, in der anderen Welt, auch jetzt schon, mitten im Leben, wischt Gott mir die Tränen von den Augen – ehrlich, glauben Sie’s mir.

Sprecher: Pfarrer Titus Reinmuth

Audiobeitrag Das Leben nach dem Tod


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