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Plus/Minus
Klever Justizvollzugsanstalt. Es ist ein bisschen so, als beträte man den Schließfachraum einer Bank. Gitter, Schlösser, Schlüsselklappern. Dann drei Treppen hinauf.
Unters Dach. Näher zum Himmel öffnet sich ein Raum:
An der Wand etwas, das ein Segel sein könnte oder ein Kreuz behängt mit etwas, das an die Plane eines Lastwagens erinnert. Silbrig schimmernd: Darauf in rot: Ein Plus. Ein Minus. Nebeneinander. Gleichwertig. Denn niemand ist nur Minus. Und niemand ist nur Plus. Darunter ein uralter Überseekoffer. Die Schlösser des Koffers: Verschraubt. Niemand guckt da mehr rein. An der linken Seite ein Schlitz vorgesehen für: Post an Gott.
Für den einen ist das hier eine Kirche, für den andern ein Seelenasyl. In der Anstalt sitzen Häftlinge aus 40 Nationen. Die einen glauben die anderen hoffen. Briefe versinken im Schlitz des Überseekoffers, stapeln sich im Innern. An ihrem Inhalt wäre die Staatsanwaltschaft sicher sehr interessiert. Aber hier kommt niemand ran. Der Koffer ist das Asyl der Gedanken. Für niemanden antastbar. Hier landen Briefe, die keine Marke brauchen und keinen Stempel. Für die einen Gottes Postfach für die anderen die Möglichkeit, umgeben von Überwachung und Gittern im Innern einer dunklen Kiste frei zu sein. Unberührbar. In Schmerz und Freude. Niemand ist nur Minus. Und niemand ist nur Plus.
Sprecher: Daniel Schneider
Plus/Minus
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