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Briefgeheimnis
Er lag auf meinem Schreibtisch. Wenn ich frühmorgens von einer nächtlichen Zerstreuungstour nach Hause kam und gerade noch drei Stunden Zeit zum Schlafen hatte,
bevor ich wieder zur Schule musste, war er das personifizierte schlechte Gewissen: Ein Brief meiner Mutter. Sie hat mir ins Gewissen geredet, warum ich denn in der Woche so lange feiern gehen muss, ich soll doch bitte an mein Zukunft denken und und und ... Ihr kennt das Spiel. Es hat mich genervt. Immer wieder hat sie diese Taktik gefahren.
Jahre später habe ich sehnsüchtig auf ihre Briefe gewartet. Ich habe im Ausland gearbeitet und kam mir zwischenzeitlich ziemlich verloren vor. Jeder Brief meiner Mutter hat mich aufgemuntert: Alles wird gut! Das hat mich über Wasser gehalten. Ich bin ihr sehr dankbar dafür.
Die eine Geschichte hat mich genervt, die andere hat mich fröhlich gemacht. Beide haben mir allerdings gezeigt, dass meine Mutter mich liebt, dass ich ihr nicht egal bin und dass sie sich für mich und mein Leben interessiert.
So gehts mir auch, wenn ich in die Bibel schaue, eine Wahnsinnssammlung von Briefen und Büchern über Gott und die Welt. Da stehen Dinge drin, die mich herausfordern und nerven, weil ich das einfach nicht hören will, nicht verstehe, weil mich das wirklich wütend macht.
Und es gibt Geschichten, die mich berühren, die einen trüben Tag heller machen und die ich immer wieder lese. Zwischen den Zeilen dieser Bücher, Briefe und Lieder schimmert durch, dass die Verfasser und Autoren von einem Gott berichten, der sich für die Menschen interessiert und der sie liebt. Und das tut gut. Auch wenn's manchmal nervt.
Daniel Schneider
Briefgeheimnis
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