Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.04.12; Daniel Schneider

Selbstgespräche?

Es ist schon eine komische Sache, das Gebet an sich. Und eine Frage liegt bei dem Thema immer oben auf: Führe ich beim Beten Selbstgespräche oder hört Gott zu?

Das bekannteste christliche Gebet ist das Vater Unser, der Prototyp Gebet sozusagen. Jesus bringt es seinen  Freunde bei und vorher gibt er ihnen noch ein paar Hilfestellungen mit auf den Weg: Betet nicht so, dass euch alle sehen und denken, dass ihr so toll und fromm seid. Quatscht nicht rum, sondern kommt zum Punkt und vor allem: Gott weiß schon, was ihr braucht, bevor ihr ihn darum bittet.

Aha, hier wird der Spieß also mal umgedreht.  Das bedeutet ja, dass nicht Gott in erster Linie auf Gebete angewiesen ist, sondern das ein Gebet mir gut tut. Und wenn es nur ein Gefühl ist. Da ist jemand, der weiß mehr als ich.

Und ich merke, dass ein Gebet nicht an menschlichen Maßstäben gemessen werden kann. Nach dem Motto: Du hast dafür gebetet, dass deine Mutter wieder gesund wird und deine Bitte ist nicht im Erfüllung gegangen? Da hast du den Beweis: Beten bringt nichts! Oder genauso schlimm: Du hast nicht genug gebetet. Niemand kann beweisen, ob und wie Gott Gebete erhört.

Beten ist und bleibt eine komische Sache und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob und wie Gott Gebete hört. Aber solange ich daran glaube, dass mir und anderen das Beten zu Gott gut tut und etwas verändert, bleibe ich den Beweis etwas gelassener schuldig.

Daniel Schneider

Audiobeitrag Selbstgespräche?


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