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Kraftvolle Gesellschaft
Guten Morgen, Ihr Lieben, sage ich auf dem Weg zur Küche und nicke der Gruppe freundlich zu. Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, komme ich an ihnen vorbei.
An meinen vier tierischen Freunden. Nein, ich habe keinen Zoo zu Hause. Sondern ein Kunstwerk. Geschaffen von der Künstlergruppe Wilderers der Diakonie Himmelsthür in Hildesheim, Männer und Frauen mit einer geistigen Behinderung.
Vier Tiere sind da zu sehen. Ein dunkelgrüner Esel mit gelben Flecken. Seine langen Ohren hat er über die Augen gelegt - wie Scheuklappen. Die Vorderpfoten stemmen sich störrisch in den Boden. Nein, Bauer, ich gehe nicht mit., scheint er zu denken. Bevor du mich alten, schwachen Esel umbringen lässt, gehe ich lieber fort! Auf seinen Eselsschultern steht ein langer gelber Dackel mit rosafarbener Nase, die er vorwitzig nach vorn reckt. Ein echter Jagdhund, durchtrainiert, furchtlos, der weiß wo es lang geht. Auf seinem Rücken sitzt kugelrund, zufrieden und gelassen ein kleines pinkfarbenes Kätzchen mit goldenen Flecken und treuherzigen himmelblauen Augen. Auf seinem Rücken wiederum steht leichtfüßig auf einem Bein ein fröhlicher, knallbunter Hahn, den Schnabel keck in die Luft gestreckt.
Esel, Hund, Katze, Hahn - die Bremer Stadtmusikanten. Ein Gemeinschaftskunstwerk der Wilderers. Ich besuche die Künstler-Gruppe in ihrem Hildesheimer Atelier. Hier geht es emotional zu ich versinke in festen Umarmungen, es wird viel gelacht, hier ein lauter Streit, da ein trotziger Pinselschwung. Leidenschaftlich widmen sich alle einander und ihren Kunstwerken. Die Kraft der Gruppe, sie steckt auch in der Skulptur der Bremer Stadtmusikanten und verbindet sich mit deren Geschichte.
Esel, Hund, Katze und Hahn sie alle hatten bei ihrer jeweiligen Herrschaft ausgedient. Scheinbar nutzlos geworden sollten sie nicht mal ein Gnadenbrot erhalten. Sie treffen sich zufällig und machen sich miteinander auf den Weg. Ihre Vision: sich gemeinsam als Stadtmusikanten in Bremen durchzuschlagen. Doch sie finden einen noch viel besseren Platz: Mit gemeinschaftlicher Kraft und List vertreiben sie Räuber aus einem Waldhaus, finden dort ein heimeliges Zuhause und das jeweils passende Ruheplätzchen: am Ofen, auf dem Stroh, hinter der Tür und auf dem Hahnenbalken.
Gemeinsam stark sein, die eigenen Kräfte entdecken und immer wieder einen Platz im Leben finden. Das ist die Botschaft. All das finden die geistig behinderten Künstlerinnen und Künstler in ihren Wohngruppen und bei ihrer Arbeit in der Diakonie. Ihre Werke haben Ausstrahlung und finden viele Liebhaber in der ganzen Region. Die Stadtmusikanten standen lange in meinem alten Büro in Berlin. Manchmal haben sie Besuch bekommen. Da streichelte ihnen jemand über die Schnauze und sagte: Mensch, euch könnt ich jetzt mitnehmen. Ich brauche mal eine muntere, kraftvolle Gesellschaft. Denn wie heißt es in der Bibel:
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. (1. Mose 2,18) Einen geselligen Sonntag wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Petra Schulze aus Düsseldorf.
Kraftvolle Gesellschaft
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