Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.03.12; Pfarrer Eko Alberts

Hartes Brot, nahrhaft

Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer. Etwas so Leichtes, wie Tee und ein Toast, kann ich Ihnen heute leider nicht bieten.

Das biblische Motto für heute ist eher hartes Brot. Mancher legt so etwas sofort zur Seite: Will mir doch nicht die Zähne daran ausbeißen! Kann ich verstehen. Dennoch: oft lohnt sich die Mühe. Versuchen wir es. Der Spruch für heute ist ein Gebet aus dem alten Israel:

„HERR, es ist dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen.“ (2. Chr 14,10) Ach, mein Gott, denk ich da, tus doch! Mach das doch mal wahr! So oft seh ich doch etwas ganz Anderes: Der Starke gewinnt gegen den Schwachen. Wer sich nicht wehren kann, wird untergebuttert. Der Schwache wird als Schwächling verspottet und jeder stellt sich auf die Seite des Starken, um nicht morgen schon das nächste Opfer sein zu müssen. So in der Schule, in der Gesellschaft, in der Wirtschaft und unter den Staaten. Es ist unheimlich schwer, einmal dagegen zu halten. Es braucht viel Mut, um den Schwachen gegen die ganze Clique zu verteidigen. Gar helfen und den Starken in die Schranken verweisen, das ist ganz schwer. Da könnte man die Hilfe von oben gut gebrauchen. Ein kleiner Eingriff vom Himmel und die Sachen sähen schon besser aus. Denken wir. Passiert aber nicht. Meist nicht. Sehen wir jedenfalls nicht.

„HERR, es ist dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen.“ Wo kommt denn das eigentlich her? Es kommt aus alten Geschichten Israels. Das Gottesvolk  ist geteilt, zerstritten. Die einen mit einem mächtigen Verbündeten aus dem Norden im Kampf gegen die anderen, die auf sich gestellt sind. Und deren König muss nun führen und entscheiden. Er weiß: Ich schaff es mit meinen Kräften nicht. Wir sind zu wenig. Und indem er das erkennt, passiert etwas. Der König gibt zu: ich bin schwach. Das ist doch schon mal etwas. Und dann versucht er sozusagen den Gott Israels bei seiner Ehre zu packen. Denn das ist keiner, der immer nur auf Seiten der Sieger und der Starken steht. Dann hätte er sich nicht den umherziehenden Nomaden Abraham und seine Nachkommen, weggelaufene Sklaven, als sein Volk ausgesucht.

Also ruft der König zu Gott: Dir ist das doch nicht zu schwer! Du willst doch für die Schwachen da sein! Nun, sei dann unser Helfer! Und die Geschichte erzählt: der König ruft nicht umsonst. Sein Kampf hat Erfolg. Dem HERRN war es nicht zu schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen. Mir ist allerdings nicht ganz wohl dabei: Gott um Kriegsglück anrufen und auch noch Erfolg vermelden, klingt nach all den Kriegs- und Religionskriegsgeschichten, die wir kennen,  heute wie Gotteslästerung. Unmöglich, so etwas zu tun! –

Und wenn ich aber nun der Schwache bin? Der am Abgrund? Und ich weiß keinen Ausweg? Ich würd mich sonst was drum scheren, was dann politisch oder philosophisch oder theologisch korrekt ist! Ich ruf zu Gott, laut oder leise, fluchend und zitternd. Denn ich will Hilfe haben. Ich weiß, er ist ganz auf die Seite der Schwachen gekommen. In Jesus Christus kam er uns nach, kam uns zu Hilfe bis in den Tod hinein. Und hat ihn dennoch besiegt. Darum rufe ich und ich bin gewiss, er hört mein Rufen. Er bringt mich sogar durch den Tod zum Leben. 

Gottes Hilfe, wenn Sie schwach sind, wünscht Ihnen Pfarrer Eko Alberts aus Bonn.

Audiobeitrag Hartes Brot, nahrhaft


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