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Gott, ganz nahe
Liebe Hörerin, lieber Hörer, Gott einmal an die Hand nehmen können und ihn dahin führen, wo er eingreifen sollte - ein kindlicher Wunschtraum vieler Menschen.
Zumindest wenn sie sich nicht ganz vom Glauben verabschiedet haben. Manchmal lebt dieser Wunschtraum etwas ängstlich und verschämt in einer Ecke des Herzens. Manchmal wird eine schmerzhafte Sehnsucht daraus.
Ich kann Ihnen die Erfüllung dieses Traumes nicht wie einen Lottogewinn auf den Tisch legen. Aber wenn Sie mögen, hören wir jetzt gemeinsam einen Satz aus der Bibel. Da spricht jemand, der seinen Wunsch nach Gottes Nähe und seiner leitenden Hand ganz oben auf seine Tagesordnung gesetzt hat.
Es ist der junge König Salomo vor fast dreitausend Jahren im Volk Israel. Er wird erwachsen und tritt die Herrschaft an. Einen Tempel hat er bauen können, einen Ort, von dem er hofft, dass dort Gott verehrt und angerufen wird und dass Gott nicht nur im Jenseits bleibt. Zur Einweihung spricht er nun ein Gebet. Darin heißt es: Lass deine Augen offen stehen über diesem Haus Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. (1. Kön 8,29)
Unser eigener, kindlicher Wunsch nach dem handgreiflich nahen Gott wird da berührt. Offensichtlich hat Salomo woher auch immer ein besonderes Wissen, ein Versprechen Gottes: Es soll einen Ort geben, wo dessen Name zugegen ist. Nicht einfach er selbst, aber sein Name. Das ist eine vorsichtige, eine verbergende und erklärende Redeweise zugleich: Auf besondere Weise kann man dort mit Gott reden, immer wieder wird er auf Rufweite nahe sein. Aber er ist und bleibt frei. Salomo weiß doch: Der Himmel und aller Himmel Himmel, der ganze endliche oder unendliche Weltraum kann Gott nicht fassen. Das ahnt jedes Kind, muss jeder kluge Mensch einsehen. Was machen wir also mit unserem gelegentlichen Wunschtraum? Am besten, wir werden mit ihm erwachsen, wie Salomo.
Immer wieder staunt er, wie unfassbar groß Gott ist und er erinnert sich und Gott daran, wie eng Gott und Israel einander verbunden sind. Immer wieder ist Gott ein barmherziger, ein mitgehender Gott gewesen. Auch in den Nöten. So gewinnt Salomos Bitte Kraft: Darum, Gott, der du dich mit uns verbündest, lass es immer wieder gelingen, wenn Menschen bei uns zum Himmel schreien, dass es nicht vergeblich ist, lass daraus Hilfe, Orientierung, Lebenskraft wachsen. Nein, du bist nicht der verlängerte Arm unserer Wünsche. Unsere Aufgaben nimmst du uns nicht ab. Aber lass deine Augen offen stehen, sagt er. Hab uns und diese Welt im Blick!
Ist es ein Wunschtraum, wenn ich sage: das tut er auch und hat es getan? Nein. Wir leben in der Passionszeit. Wir erinnern uns daran, wie Gott seinen Namen auf dieser Erde greifbar werden ließ. In Jesus Christus. Liebe, bedingungslose Liebe hat er gelebt und uns zum Lieben beauftragt. Sogar den Feind.
Doch so viel Nähe Gottes wollte diese Welt nicht ertragen. Der so im Namen Gottes, als Gottes Name auf dieser Erde wirkte, wurde hinaus gejagt, nach draußen. Ans Kreuz. In den Tod. Ist Gott seitdem blind geworden, taub für diese Welt? Namenlos? Hat er hier keinen Ort mehr? Manchmal befürchten wir das. Und manchmal überwinden wir auch unsere Scham und lassen unsere Sehnsucht rufen: Gott, halt deine Augen offen für deine Welt und lass uns nicht namenlos untergehen.
Dass Sie rufen und gehört werden, wünscht Ihnen heute Pfarrer Eko Alberts aus Bonn.
Gott, ganz nahe
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