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Wörterzoo
Liebe Hörerin, lieber Hörer! Dünke dich nicht weise zu sein, sondern fürchte den HERRN und weiche vom Bösen. (Sprüche 3,7) So heißt es an einer Stelle in der Bibel.
Klingt das nicht wunderbar altmodisch? Da gibt es lauter Wörter, die könnte ich meiner Wochenzeitung schicken, für die letzte Seite. Da können nämlich Leser Wörter einsenden, die sie mögen und die im allgemeinen Sprachgebrauch fast verloren gehen. So etwas wie gefährdete Tier- oder Pflanzenarten. Nur sind es hier die Worte. Dünke dich nicht!
Mir fällt sofort der Pastor aus meinen jungen Jahren ein. Wenn er in der Predigt etwas erklärt hatte, legte er es uns mit diesen Worten zur Entscheidung vor: Was dünkt dich, Gemeinde? Natürlich gab es da nichts mehr zu entscheiden. Es war keine wirkliche Frage. Und heute? Sich dünken, nein, das sagt kein Mensch mehr und die Jungen verstehen gar nicht, was gemeint ist. Selbst wenn man an den Dünkel, den Standesdünkel, erinnern wollte, läge das weit weg. Arroganz, ja, das wäre vielleicht ein passender Begriff. Also: sei nicht so arrogant, dich für weise zu halten. Das klingt gut und bringt gleich die nächste Frage: Weise, wer ist denn weise? Was ist das und wer will es sein? Die Jungen wollen cool sein und die Älteren abgeklärt, über den Dingen stehen. Den Durchblick haben.
Sind wir wirklich so: cool, abgeklärt, alles im Griff? Denkste, sagt das Wort aus der biblischen Menschenberatung. Bildest du dir vielleicht ein, du bist der Oberschlaue und hast alles selber in der Hand? Die Weisheit mit Löffeln gefressen? Ach, du Menschlein, was denkst du dir eigentlich? Wie oft bist du damit nicht auf die Nase gefallen? Wie oft ist dein Hochmut schon vor den Fall gekommen? Du meinst so viel zu wissen, zu kennen, zu durchschauen, und gehst den Verführern immer wieder auf den Leim.
Ein Beispiel: Nicht nur, dass du dir völlig unnötig allerlei Tand und Schund andrehen lässt. An manchen Dingen kleben sogar Unrecht und Ausbeutung, verderbliche Kinderarbeit und zerstörte Lebensgrundlagen. Was denn, was denn, sagst du, was soll denn das sein? Nein, du durchschaust es oft so wenig wie ich. Aber die Informationen über die Produktion so mancher Kleidung, für die Kinder ihre Kindheit und Gesundheit opfern müssen oder über die Vertreibung von Kleinbauern von ihren Äckern, damit wenige Konzerne erhebliche Profite einstreichen können all diese Informationen sind ja nicht völlig geheim. So vieles könnten wir wissen und bleiben lieber im Ungewissen. Cool und abgeklärt, alles im Blick, weise? Das ist wohl etwas anderes.
Und was können wir tun? Nein, keiner sollte sich dünken, sich einbilden, so weise zu sein, das alles und so viel mehr an Bösem in dieser Welt in den Blick zu bekommen, analysieren und gar beseitigen zu können. Auch das eine Arroganz voller Selbstüberschätzung. Ein grundsätzlicher Hinweis wird uns gegeben. Kein Rezept und auch keine unfehlbare Bedienungsanleitung: Wie werde ich ein guter Mensch?
Aber eine Grundorientierung: Gott fürchten und das Böse meiden. Gott fürchten, nein, keine Angst vor ihm, aber ihn respektieren. D.h.: nicht ich stehe an erster Stelle. Auch nicht mein Können. Oder das Wachstum, die Börse, die Macht. An erster Stelle Gott, dem ich mit allen Geschöpfen zusammen mein Leben verdanke. Und der uns diese Erde anvertraut, dass wir sie nicht zum Teufel jagen, sondern den Teufeleien wiederstehen. Also vom Bösen weichen. Ich weiß, diese Worte sind nicht unbedingt gängige Münze. Aber zu schade nur für den Wörterzoo oder gar fürs Museum.
Heute wirklich ein wenig weiser zu werden, wünscht Ihnen Pfarrer Eko Alberts aus Bonn.
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