Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.03.12; Pfarrer Martin Vogt

"Waffenexportstop"

Deutschland gehört zu den größten Exporteuren von Kleinwaffen. Also Maschinengewehre, Pistolen, Handgranaten und so weiter.

Jedes Mal, wenn darüber berichtet wird, ist mir nicht wohl in meiner Haut. Ich halte es einfach für falsch, dass in unserem Land für die Herstellung von Waffen derartig viel Geld, Zeit, Kraft und Arbeit investiert wird. Es kann doch nicht unser Ziel sein, dass sich Menschen in anderen Ländern mit unseren Gewehren tot schießen. Denn natürlich kommen die Waffen, die wir exportieren, auch zum Einsatz. So war es zum Beispiel letztes Jahr im Bürgerkrieg in Libyen.

Natürlich kann man fragen, ob es in unserer globalisierten Welt überhaupt Alternativen gibt. Auf jeden Fall aber gibt es Menschen, die nach Alternativen suchen. Die fragen, ob es nicht möglich ist, den Wettbewerb um die besten und damit tödlichsten Waffen zu beenden. Oder zumindest aus diesem Wettbewerb auszusteigen.

Genau das wollen die Gruppen erreichen, die die Aktion „Aufschrei“ gegründet haben. Ihr erstes Ziel besteht in einer größeren Transparenz bei deutschen Rüstungsexporten. Dass die nötig ist, hat sich ja im letzten Jahr gezeigt. Bei der Debatte um eine mögliche Lieferung von 200 Panzern nach Saudi-Arabien. Denn da konnte keiner genau sagen, ob diese Lieferung zustande kommt oder nicht. Alle Beschlüsse dazu wurden im Geheimen gefasst. Ohne Beteiligung des Bundestags. Oder gar der Öffentlichkeit.
Deshalb fordert die Aktion „Aufschrei“: Alle Exporte von Rüstungsgütern sollen zeitnah veröffentlicht werden. Damit gegebenenfalls eine Debatte darüber geführt werden kann, welche Lieferungen wir wollen. Und welche nicht.

Langfristig aber geht es darum, das Grundgesetz zu verändern. Genauer gesagt: Zu ergänzen. Und zwar um den Satz: „Kriegswaffen und sonstige Rüstungsgüter werden grundsätzlich nicht exportiert.“

Selbst wenn es dann Ausnahmen von dieser Grundregel geben sollte - ein großes und verlockendes Ziel ist das allemal. Ich finde auch gar nicht, dass es zu groß, zu utopisch wäre. Im Gegenteil: Gerade als Christen sollten wir große und hohe Ziele haben.

Schließlich ist auch die Bibel voll von großen Zielen. Schon im Alten Testament beschreibt der Prophet Jesaja, wie es sein wird, wenn die Völker nicht mehr gegeneinander Krieg führen (Jesaja 2, 4). Dass die Menschen dann anfangen, aus Schwertern Werkzeuge zu machen. Und dass dann keiner mehr lernen muss, mit Waffen umzugehen. Diese Zusage gilt auch heute noch: Dass mit Gottes Hilfe Dinge möglich sind, die für uns erst einmal ziemlich utopisch klingen.

Deshalb sollten wir uns dafür stark machen, dass weniger Waffen in die Welt kommen - und dafür mehr Werkzeuge. Oder andere nützliche Dinge. Dass weniger zerstört wird und dafür mehr aufgebaut. Dass weniger Menschen umgebracht werden. Und dafür möglichst viele eine Lebensgrundlage haben.

Auf diese Weise kann unheimlich viel Gutes in der Welt erreicht werden. Um das zu sehen, muss man kein Prophet sein.

Audiobeitrag "Waffenexportstop"


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