Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.03.12; Daniel Schneider

Gott singt

Musik im Radio soll unterhalten, nebenbei laufen und höchstens ein Grundgefühl wie Freude, Trauer, Liebe oder Melancholie transportieren. Finde ich jedenfalls.

In seltenen Fällen ertappe ich mich aber dabei, wie ich meine eigene persönliche Situation in einen RadioSong hineininterpretiere. In sehr extremer Form ist mir vor das vor kurzem im Auto passiert. Auf der A46. Im Radio lief gerade:

Musik: Halt dich an mir fest, wenn du nicht mehr weiter weißt. Ich kann dich verstehen. Halt dich an mir fest. Weil das alles ist, was bleibt.

Autor: "Halt dich an mir fest" von Revolverheld feat. Marta Jandova Schönes Lied, zu Recht für die Echoverleihung morgen nominiert,  als beliebtester deutscher Radiosong. Also, der Song lief und in meinem Kopf spielte sich Folgendes ab: Bei folgender Textstelle habe ich mir vorgestellt, dass nicht Johannes Strate und Marta Jandova singen, sondern Gott persönlich, zu mir.

Musik:  Du rufst mich an und sagst, du weißt nicht mehr, weißt nicht mehr was dich berührt. Die letzten Jahre haben dich aufgewühlt und dich nur noch mehr verwirrt.

Autor: Unheimlich. Schon klar, dass da eigentlich ein Mann und eine Frau über ihre Beziehung singen, aber ich habe über meine Beziehung zu Gott nachgedacht. Das Ganze dauert auch nur einige Sekunden, aber die haben gereicht, um festzustellen: Ja, genauso sieht's bei mir gerade aus. Ich glaube, dass es Gott gibt und ich glaube, dass er mich mag. Und das war`s auch schon. Manchmal ist es mir auch egal. Und wenn ich ihn mal anrufe, also zu ihm bete, dann berührt mich das persönlich gar nicht so richtig. Es gehört halt dazu. Das war vor einem Jahr noch anders. Irgendetwas ist in unserer Beziehung passiert. Routine, Zweifel und Lebenserfahrungen haben mich verwirrt. Und dann höre ich den Refrain.

Musik: Halt dich an mir fest, wenn du nicht mehr weiter weißt. Ich kann dich verstehen. Halt dich an mir fest. Weil das alles ist, was bleibt.

Autor: In diesem Moment hat schon nicht mehr Gott gesungen, sondern ich war wieder in der Realität, aber trotzdem klangen die Worte nach und passten. Mir fiel ein: Wenn wir Menschen als Gottes Ebenbild geschaffen wurden, dann stehen wir in einer Beziehung zu einander und dann ist es normal, dass es in dieser Beziehung Durststrecken gibt. Das Unnormale dabei ist, dass Gott in dieser Phase zwar nachfragt, aber nicht die beleidigte Leberwurst spielt, sondern sagt: Ich kann dich verstehen. Und der Funke Glaube, der noch da ist, reicht mir völlig. Halt dich damit an mir fest, denn, und da ist Gott ziemlich selbstbewusst:

Musik: Weil das alles ist, was bleibt.

Autor: Dieser Gedankengang, der sich bei Tempo 120 auf max. 2 Kilometern abgespielte, hat kein neues Glaubensfeuer in mir entfacht. Er hat mir aber gezeigt, dass es Gott gibt und dass er mich mag. Aber diesmal ist es mir nicht egal, sondern bringt mich zum Schmunzeln.

Ganz im Gegenteil zum eigentlichen Inhalt des Songs. Und deshalb entschuldige ich mich vorsorglich bei Revolverheld und Marta, ich hoffe 1.dass ich euren Song nicht zu sehr zweckentfremdet habe ich und 2. das ihr morgen einen Echo gewinnt.


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