Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.03.12; Mark Pollmeier

Keine Zeit!

Geht das eigentlich nur mir so? Es ist quasi unmöglich geworden, sich mit mehr als drei Leuten zu verabreden. Man fragt, telefoniert, macht doodle-Umfragen.

Aber egal, worum es geht – mindestens einer kann nicht. „Leider keine Zeit, sorry! – Wahnsinnig viel zu tun momentan. – Frag mich im Juni noch mal.“

Wer heute noch Zeit hat, macht sich verdächtig. Der ist entweder nicht wichtig, oder er weiß nichts mit sich anzufangen. Manche prahlen regelrecht rum, wie viel sie arbeiten, wie wenig sie schlafen und was sie alles am Laufen haben. Sich halb tot zu schuften, scheint irgendwie eine Heldentat zu sein. Zeit zu haben, das klingt dagegen nach Loser, nach Schwäche.

Gleichzeitig ist Burnout gerade ein Riesenthema. Ob Prominente oder Arbeitskollegen, jeder kennt einen, der total ausgebrannt ist und deswegen eine Therapie machen muss. Klar, es gibt immer wieder mal Krankheiten, die gehyped werden, die sozusagen „in“ sind. Und vielleicht ist das mit Burnout auch so. Aber manchmal habe ich schon den Verdacht: Dass kein Mensch mehr Zeit hat und dass man zurzeit so viel über Burnout hört, das hängt irgendwie zusammen.

Ich mache mir jetzt immer den Spaß, wenn es ums Verabreden geht, und sage ganz dreist: „Och, ich hab viel Zeit, ich bin da ganz flexibel!“ Manchmal stimmt das gar nicht. Aber es ergeben sich daraus oft interessante Gespräche über zu viel Arbeit und zu wenig Zeit. Und am Ende finden wir dann – oh Wunder – meistens auch einen gemeinsamen Termin.

Sprecher: Daniel Schneider

Audiobeitrag Keine Zeit!


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