Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.03.12; Mark Pollmeier

Dauerfasten

Gerade ist ja Fastenzeit. Bis Ostern noch. Tatsächlich kenne ich aber kaum jemanden, der sich daran hält und wirklich fastet.

Jedenfalls nicht aus religiösen Gründen, also um den Kopf frei zu kriegen oder sich auf das Osterfest vorzubereiten oder so was. Im Gegenteil: Wer zugibt, dass er gerade auf dieses und jenes verzichtet, weil Fastenzeit ist, gilt eher als ein bisschen gaga.

Trotzdem fallen mir eine ganze Menge Leute ein, die übers Jahr verteilt immer wieder mal fasten. Nur nennen die das anders, nämlich Diät.

Dagegen ist im Prinzip auch gar nix einzuwenden. Übergewicht ist ungesund, und es schadet nichts, sich ein bisschen fit zu halten. Aber darum geht’s den Dauerfastern meistens gar nicht. Nein, es geht einfach darum, einem Körper-Ideal nachzuhecheln, koste es was wolle. Da wird gehungert und gejoggt und Pilates gemacht, was das Zeug hält. Und obwohl das alles mit dem christlichen Fasten gar nix zu tun hat, könnte man doch auf die Idee kommen: hier geht’s um eine Religion.

Da isst jemand ein Corissant und erzählt mir dann, dass er schlimm gesündigt hat. Oder er schafft es nicht mehr ins Fitnessstudio – und fühlt sich dann furchtbar schlecht. So wie früher die Leute ein schlechtes Gewissen hatten, wenn sie mal den Kirchgang schwänzten.

Wenn ich mir das alles so anschaue, frage ich mich: Wer ist hier eigentlich mehr gaga?

Sprecher: Daniel Schneider

Audiobeitrag Dauerfasten


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