Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.03.12; Mark Pollmeier

So Gott will und wir leben

In meiner Familie gibt es eine Tante Lisbeth, irgendeine Tante meiner Mutter oder so was. Ich sehe diese Lisbeth nur alle paar Jahre – auf runden Geburtstagen oder Hochzeiten

zu denen halt die ganze Familie zusammenkommt.

Wenn das Fest dann vorbei ist, bringen wir Lisbeth zum Zug und verabschieden uns. Und dann spielt sich immer das gleiche Ritual ab. Irgendjemand sagt, soo Lisbeth, schön dass du da warst, wir sehen uns dann am 50. Geburtstag von dem und dem. Oder an der Hochzeit dieser und jener. Und Tante Lisbeth antwortet dann: Ja, genau, da sehen wir uns wieder – so Gott will und wir leben.

Dieses „so Gott will und wir leben“, das kommt jedes Mal, noch nie hat Lisbeth das vergessen. Als Kind fand ich den Spruch immer ein bisschen gruselig. Aber die Tante meint das, glaube ich, gar nicht negativ.

Klar denkt man voraus, plant sein Leben, muss man ja auch. Und inzwischen gibt es für alles irgendwelche Experten, die dir die Zukunft voraussagen wollen: Wo steht der DAX am Ende des Jahres, wie entwickelt sich die Gesellschaft, was macht die Klimaerwärmung mit uns... Aber meistens kommt es dann doch ganz anders. Oder es passieren Dinge, die niemand auf der Rechnung hatte.

Nun könnte man sich natürlich total verrückt machen deswegen. Oder man versucht es eben mit Tante Lisbeths Gottvertrauen: so Gott will und wir leben. Denn selbst, wenn man nicht besonders religiös ist, muss man ja zugeben: Viel mehr kann man über die Zukunft eigentlich auch nicht sagen.

Sprecher: Daniel Schneider

Audiobeitrag So Gott will und wir leben


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