Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.03.12; Mark Pollmeier

Todeswette

Mal angenommen, ich suche mir 500 Leute und notiere mir ihr Geschlecht, ihr Alter, das Einkommen und noch ein paar andere Daten.

Und dann biete ich eine Wette an – und zwar auf das Leben dieser Leute. Die Regeln sind im Prinzip ganz einfach: Sterben die ausgesuchten Personen früh, gewinnen meine Wettpartner. Leben die Leute länger, gewinne ich*.

Das klingt jetzt erst mal verrückt, wie eine Idee aus einem Science Fiction-Film. Die Wette gibt’s aber tatsächlich: als Finanzprodukt einer großen Bank, als Fonds, in dem man ganz legal sein Geld anlegen kann. Die 500 Menschen, auf deren Restlebensdauer man dabei spekuliert, leben irgendwo verstreut in den USA.

Nun wäre es natürlich leicht, auf die bösen Banken zu schimpfen, was die wieder für ein übles Zocker-Papier gebastelt haben. Aber das wäre zu billig. Denn: irgendwer investiert ja auch in diese Sterbe-Fonds. Irgendwer legt sein Geld in diesen Papieren an, um damit Gewinn zu machen. Die Banken bieten das Zeug zwar an – aber kaufen tun es eben die Anleger, und das nicht zu knapp.

Wenn es dann wieder mal einen Skandal gibt oder irgendwer pleite geht, schreien genau diese Anleger, oh weh, das haben wir ja alles gar nicht gewusst! Aber mal ehrlich: die Ausrede zieht bald nicht mehr. Nach mehreren Jahren Finanzkrise könnte man wissen, dass nicht nur die Bank eine Verantwortung hat – sondern auch man selbst, als Sparer, Verbraucher und Anleger. Der Deutschen Bank jedenfalls wird das Papier mittlerweile zu heiss. Die Anleger sollen in Kürze ein Rückkaufangebot erhalten.

Sprecher: Daniel Schneider

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* Der entsprechende Fonds heißt „Kompass Life 3“, aufgelegt von der Deutschen Bank. Die Referenzgruppe besteht aus 500 US-Amerikanern.

Audiobeitrag Todeswette


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