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Der Mond ist aufgegangen (eg 482) und Morgenlicht leuchtet (eg 455)
Musik: Nr. 1Choral, 1. Strophe: Der Mond ist aufgegangen/ Die goldnen Sternlein prangenAm Himmel hell und klar/ Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget/ Der weiße Nebel wunderbar. Autorin: Ein Abendlied am Morgen? Goldene Sternlein bei Sonnenaufgang? Der Wald steht schwarz und schweiget, dabei erwacht doch gerade alles wieder zum Leben? Um 07:19 Uhr ist heute früh der Mond untergegangen. Vögel singen ihr Morgenlied. Helles Morgenlicht weckt den Tag, vertreibt das Dunkel der Nacht. "Der Mond ist aufgegangen." Ja, so war es gestern Abend. Fast war er noch voll, unser Mond. Was war dazwischen in der Nacht...
Musik: Nr. 2 instrumental: Dieter Falk, Piano, Der Mond ist aufgegangen
Autorin: Der Mond ist aufgegangen. Was vorher am Tag hell und hektisch war, das hat durch Dunkelheit an Stille gewonnen. Zur Zeit des Liederdichters Matthias Claudius, im 18. Jahrhundert, gab es noch kein elektrisches Licht. Wenn es Abend wurde, dann richtig - stockdunkel und finster. Da kam die Welt zur Ruhe. Heute hat der Tag oft 24 Stunden inklusive Nachtschicht. Zeit für Ruhe ist selten geworden. Die Städte werden nicht mehr still und auch nicht mehr richtig dunkel. Es herrscht Verkehr und Betrieb auf den Straßen bis tief in die Nacht und schon wieder früh am Morgen.
Und der Mond ist nur etwas für Romantiker und Träumer. Auch wenn mancher in Vollmondnächten nicht schlafen kann. Trotzdem: Ich glaube, Matthias Claudius will uns den Blick öffnen für das, was im Stillen, in der Zeit des Mondlichts verborgen liegt und uns mit einer ganz neuen Sicht auf den Tag beschenkt.
Musik: Nr. 1 Choral, 2. Strophe: Wie ist die Welt so stille/ Und in der Dämmrung Hülle/ So traulich und so hold! Als eine stille Kammer/ Wo ihr des Tages Jammer/ Verschlafen und vergessen sollt.
Autorin: Den Jammer des Tages verschlafen und vergessen wie schön wäre doch das. Schade, wenn es dann in der Nacht doch keinen Schlaf gibt vor lauter Unruhe, Sorgen und schlechten Träumen. Wenn die Nacht zum Tag wird. Wie tröstlich klingen da die Worte der Dichterin Mascha Kaléko:
Sprecherin: Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond.
Autorin: Und ein Wort aus dem Buch der Psalmen verspricht:
Sprecher: Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht. (Psalm 139 9-12, Lutherübersetzung)
Autorin: Die Nacht ist nicht nur dunkel der Tag nicht nur hell. Ob Abend und Morgen, ob Finsternis und Licht, von Gott sind wir umgeben allezeit. So hat es der Beter des Psalms empfunden. In diesem Vertrauen wird auch die finsterste Nacht vom Licht erhellt. Und ein neuer Tag bricht an. So wie Gott uns nach jeder Nacht einen neuen Tag schenkt, so kann er auch für unser Leben, unsere ganze Erde einen Neuanfang setzen. Das, was selbst am Tag wie Nacht erscheint. Was in unserem Leben an Beziehungen zerbrochen, an Träumen geplatzt, an Plänen gescheitert ist. Das, was auf dieser Erde entstellt und verzerrt ist, muss nicht im Dunkeln bleiben.
Musik: Nr. 3 Morning has broken, Cat Stevens
Sprecher: (Overvoice): 1. Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang/ Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt. Dank für die Lieder, Dank für den Morgen/ Dank für das Wort, dem beides entspringt.
2. Sanft fallen Tropfen, sonnendurchleuchtet/ So lag auf erstem Gras erster Tau. Dank für die Spuren Gottes im Garten/ grünende Frische, vollkommnes Blau.)
Autorin: Morgenlicht leuchtet. Ein neues Lied wie ein neuer Morgen. Wie das Licht der aufgehenden Sonne, die früh am Morgen den Tag verkündet.
Sprecher: Langsam dreht sich die Erde um ihre Achse, während die Sonne ihre ersten kaum wahrnehmbaren Lichtspuren über den Horizont wirft. Im Minutentakt breitet sich das Licht in der Atmosphäre aus. Jetzt, eine Handbreit über dem Horizont, erscheint die Venus. Der Morgenstern verspricht der Welt: Es wird Tag. Alles erwacht und dreht sich neu. (Burkhard Reinartz, WDR3-Sendung 'Lebenszeichen! )
Musik: Nr. 4 instrumental, Gitarre, David Qualey
Autorin: Die Melodie dieses Liedes scheint dem Lauf der Sonne zu folgen. Sie beginnt ganz in der Tiefe und steigt dann Ton für Ton hinauf, bis sie die Höhe erreicht hat. Oben angekommen, beleuchtet sie den Morgen. Was melodisch sanft und zart, ja fast sentimental daherkommt, behält im Kern die tiefe Dimension, dass nach Dunkelheit Licht kommt. Nach dem Abend der Morgen. Die dunkle Nacht weicht dem frühen Licht des Tages. Eine Amsel singt ihr Morgenlied. Tautropfen blinken im Gras. Alles beginnt wieder, wird hell und neu. Wie am ersten Tag der Schöpfung.
Sprecher: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. (1. Buch Mose 1)
Autorin: Die Natur in dieser Frühjahrszeit verrät: Nach einem langen Winter, nach der dunklen Jahreszeit erwacht neues Leben. Die Sträucher haben Knospen, manche Blätter treiben, Schwarzdrosseln singen in der Dämmerung. Es ist als wollten Pflanzen- und Tierwelt den Frühling herbeizwingen. Als würde sich alles danach sehnen, neu erschaffen zu werden. Heranzureifen, zur Blüte zu wachsen. Das Seufzen der Kreatur hat ein Ende.
Musik: Nr. 4 instrumental David Qualey, Gitarre
Autorin: "Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang ..." Dieses Lied besingt nichts anderes als die Freude am Licht. Die Freude an einem hellen, von Licht durchfluteten Leben inmitten von Finsternissen. Licht, Helle und Glanz können wir nur sehen, wenn wir die umgebende Dunkelheit mit sehen und auf einmal verstehen, was Licht tatsächlich für unser Leben bedeutet. Da wo es hell ist, fallen die Schatten hinter uns. Da kann sich die Zukunft in einem neuen Licht zeigen. Wie sagte es die Dichterin Mascha Kaléko noch: Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond.
Musik: Nr. 2 Dieter Falk Piano, Der Mond ist aufgegangen
Musikinformationen:
Nr. 1 CD-Titel: Der Mond ist aufgegangen Abendlieder zum Singen, Hören und Meditieren Track-Nr. + Titel: Track 16 Chor Text: Claudius, Matthias Komponist: Schulz, Johann Abraham Peter Satz: Seifert, Adolf Chor: Wilhelmshavener Vokalensemble Leitung: Ralf Popken Verlag: Edition Chrismon, Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Hamburg
Nr. 2 CD-Titel: Volkslieder Track-Nr. + Titel: 3, Der Mond ist aufgegangen Komponist: Johann Abraham Peter Schulz, Bearbeitung Dieter Falk Interpret: Dieter Falk Musikalische Leitung: Dieter Falk Verlag (Name, Ort): Gerth Medien, Asslar
Nr. 3 Titel: Morning has broken Track: 11 CD: Cat Stevens Greatest Hits Komponist: Cat Stevens Textdichter/Übersetzer: Eleanor Farjeon Solist: Cat Stevens
Nr. 4 CD-Titel: Begegnungen Track: 3, Morgenlicht leuchtet Solist: David Qualey, Gitarre Verlag: Fuego (1996)
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