Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.03.12; Pfarrerin Christiane Neufang

Man muss die Feste feiern wie sie fallen

Liebe Hörerin, lieber Hörer, man muss die Feste feiern wie sie fallen, sagt das Sprichwort. Und Feste gibt es viele.

Geburtstage, Jubiläen, Gedenktage und Preisverleihungen. Es war bei der Grammy Verleihung in Los Angeles vor drei Wochen. Alle waren sie gekommen. Unzählige Prominente aus der Musikwelt. Glitzer und Glamour schmückten das Staple Center in Los Angeles. Es sollte ein rauschendes Fest werden. Doch dann in der Nacht zuvor - die Nachricht vom Tode Whitney Houstons. Der Pop- und Souldiva aus New Jersey.

Mit ihrer unnachahmlichen Stimme und den berühmten Songs. Ihr Tod, ein Moment, der alle in Schock versetzte. Der gar nicht hineinpasste in die Feierstimmung. Man muss die Feste feiern wie sie fallen. Doch was, wenn die Freude von Trauer überschattet wird? Wenn Rausch und Euphorie der Ernüchterung Platz machen muss? Mit gesenktem Kopf betrat der Moderator des Abends LL Cool J die Bühne. Er begann seine Ansprache mit einer Widmung und einem Gebet für Whitney Houston und ihre Familie:

Sprecher: „Es führt kein Weg daran vorbei - Wir haben einen Todesfall in unserer Familie. Die einzige Sache, die sich richtig anfühlt, ist mit einem Gebet zu beginnen für eine Frau, die wir geliebt haben.“ (Quelle: Focus Online)

Autorin: Das geht immer so schnell und ist manchmal anstrengend. Der Wechsel zwischen Feiern und Trauern. Freud und Leid. Und das manchmal unmittelbar im gleichen Augenblick. Eben noch im Rampenlicht gestanden – und im nächsten Moment ist der Vorhang für immer gefallen.

Sprecher: „Der Mund kann lachen, auch wenn das Herz traurig ist.“ (Sprüche 14,13)

Autorin: sagt ein Spruch in der Bibel.Ganz schön schwer und ambivalent. Fröhlich sein zu müssen, ohne dass das Herz sich wirklich freuen kann. Gute Miene zum bösen Spiel machen, gut drauf sein, obwohl mir nicht danach ist. Unser Leben ausgespannt zwischen zwei Polen. Zwischen Freude und Leid, Fest und Trauer. Zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Manchmal nur schwer auszuhalten und dennoch kein Widerspruch:

Beides bestimmt unser Leben, gehört zum Alltag dazu. Wahre Freude und echte Tränen. In Los Angeles stand die Verleihung der Musikpreise im Schatten des Todes von Whitney Houston. Und niemand betrat die Bühne ohne ihrer zu gedenken. Betroffen und schweren Herzens. Und trotzdem wurde auch gesungen und gefeiert bis spät in die Nacht.

Ihr zu Ehren und in Erinnerung an eine große Künstlerin.

„Der Mund kann lachen auch wenn das Herz traurig ist.“ Christinnen und Christen glauben, dass bei Gott beides möglich und aufgehoben ist. Vor Gott müssen wir uns nicht verstecken. Können so sein wie uns gerade zumute ist. Egal in welcher Stimmung, ob fröhlich oder traurig. Ob gut gelaunt oder schlecht. Im Angesichts des Todes und mitten im Leben.

Ein Glaube, der es ehrlich mit mir meint. Ein Glaube, der mir Kraft schenkt, die Ambivalenz des Lebens auszuhalten und Stimmungsschwankungen zuzulassen.
In Los Angeles half ein Gebet. Viele Stars hatten kurzfristig ihre Garderobe geändert.

Sie tauschten ihre farbenfrohen Kleider in schwarze Roben. Aber dann animierte Stevie Wonder, ein enger Freund Whitney Houstons alle ihre Kollegen, Lärm für sie zu machen und erklärte:

Sprecher:“Ich wollte nur zu Whitney im Himmel sagen: Wir lieben Dich alle.” (Quelle: Showbiz.de)

Autorin: Man muss die Feste feiern wie sie fallen? Ja, und andere Zeiten werden folgen.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Gefühle ihren je eigenen Platz finden, Ihre Pfarrerin Christiane Neufang aus Köln.

Audiobeitrag Man muss die Feste feiern wie sie fallen


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