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"Wenn et bedde sich lohne däät" ... oder vom Beten
Liebe Hörerin, lieber Hörer, beten, das nutzt doch nichts. Beten ist nur was für alte Leute und Kinder. Beten macht blind für die Probleme in der Welt.
So höre und lese ich oft. Und Menschen, die das so sagen, haben ihre Erfahrungen damit. In Zeiten der Krise, haben sie gehofft und gebetet. Um Kraft, um Heilung und Glück. Um eine sorgenfreie Zukunft, das Wohl für die Kinder. Um eine bessere Welt. Und sie haben erlebt: Alles Hoffen war umsonst, die Wünsche haben sich nicht erfüllt, es hat sich nichts geändert. Alles ist so wie vorher. Eine bittere Erfahrung. So zweifeln sie an Gott und der Kraft des Gebetes.
In einem ihrer früheren Lieder stellt die Kölner Band BAP genau diese kritische Anfrage: Ja, wenn et bedde sich lohne däät... Was nützt es, das Beten, wenn die Welt morgen noch genauso aussieht wie heute?
Da hilft nur noch beten! Beten gibt neue Kraft. Menschen, die das sagen, haben auch ihre Erfahrungen gemacht. Vielleicht im täglichen Einüben, vielleicht im Stillen, beim Anzünden einer Kerze. Mit gefalteten Händen oder dem ganzen Körper. Vielleicht auch verzweifelt, traurig und ratlos und dennoch hoffend auf ein Morgen, auf Besserung und Kraft.
Es gibt beides. Verzweifeltes Hoffen und Bangen im Gebet und die Erfahrung, es hat doch alles keinen Sinn. Und es gibt das andere. Das Festhalten an dem letzten Funken Hoffnung und die Kraft, die daraus wächst. Die Bibel redet in vielfacher Weise davon. Menschen gehen, reden oder beten zu Gott in ihrer Not, lassen los, was sie bedrückt und kümmert. Legen auch ab, wofür sie bitten und danken möchten. Darin ruht die Kraft des Gebets. Reden mit Gott, sagen was los ist, weinen, klagen oder lachen. In Gemeinden in Amerika habe ich das erlebt. Da wird Gott am Abend der ganze Tag erzählt. Frei und mit Inbrunst aus vollem Herzen.
Und manchmal genügt auch einfach nur das Licht einer Kerze, Musik oder ein Bild, um mit der göttlichen Kraft in Berührung zu kommen. Um Hoffnung zu schöpfen für sich selbst und die Wege, die man gehen will. Und dann auch für die Welt und die Hoffnungen und Träume in ihr. Für den Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer gehörte Beten und Hoffen zum täglichen Brot. Mit allem, was ihn bewegte und beschäftigte, was ihn zaudern und erzittern ließ. In seiner Zelle im Gefängnis in Berlin-Tegel hat er sich immer wieder selber Mut zugesprochen. Hat gehadert, gerungen, gefleht. Gedankt, gelobt und gehofft. Er hat den Mitgefangenen durch die Wände hindurch Mut gemacht. Für ihn war das Dienst am anderen. Tun des Gerechten, das aus dem Beten, dem Zwiegespräch mit Gott erwächst.
Sprecher: Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: Im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen. Alles Denken, Reden und Organisieren in den Dingen des Christentums muss neu geboren werden aus diesem Beten und diesem Tun. (Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft. 1994, Gütersloh.; ISBN: 3579051008. S. oder Dietrich Bonhoeffer: Beten und Tun des Gerechten. Glaube und Verantwortung im Widerstand. Taschenbuch - 160 Seiten (1997). Brunnen-Vlg., Gießen; S. )
Mich faszinieren diese Worte bis heute. Und zugleich lassen sie mich auch erschauern. Dem bin ich nicht immer gewachsen. Ora et Labora so lautet schon eine alte Mönchsregel. Bete und Arbeite. Das bleibt eine Herausforderung in meinem Alltag. Aber ich möchte mich davon neu inspirieren lassen. Für mein persönliches Leben und die Aufgaben in der Welt.
Ich wünsche Ihnen, dass sie die Kraft des Gebetes spüren können, Ihre Pfarrerin Christiane Neufang aus Köln.
"Wenn et bedde sich lohne däät" ... oder vom Beten
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