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Zwischen Arbeiten und Konsumieren soll Stille sein
Liebe Hörerin, lieber Hörer, in der Ruhe liegt die Kraft heißt es
Aber Zeit für Ruhe ist selten geworden. Heute hat ein Tag oft 24 Stunden inklusive Nachtschicht.
Die Städte werden nicht mehr still. Es herrscht Verkehr und Betrieb auf den Straßen bis tief in die Nacht und schon wieder früh am Morgen. Mit Stöpsel im Ohr sind Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule. Hören Musik oder telefonieren. Musik auch in den Kaufhäusern zur Ruhe zu kommen fällt schwer. Wie ist es, wenn es still wird in meinem Alltag? Wenn mein Alltag unterbrochen wird von einer Krankheit, einer Nachricht, die mich aus der gewohnten Bahn wirft oder einfach durch selbst gesuchte Ruhe. Vielleicht drängt sich in mein Bewusstsein Dunkles und Schweres. Unerledigtes, Unzufriedenes. Verdrängtes und Vergangenes. Da wird meine Alltagsroutine gestört. Eine ungewollte Unterbrechung. Sie kostet Kraft und braucht Zeit. Ist manchmal auch lästig und anstrengend. Dabei könnte es heilsam sein, die Stille regelmäßig freiwillig zu suchen:
Sprecher: Du sollst dich selbst unterbrechen. Zwischen Arbeiten und Konsumieren soll Stille sein und Freude dem Gruß des Engels zu lauschen: Fürchte dich nicht! (Unterbrechung von Dorothee Sölle, Der Andere Advent 2009/10, Initiativen zum Kirchenjahr ANDERE ZEITEN E.V.)
Autorin: Stille, dem Gruß des Engels lauschen. Der Engel Gabriel erzählt Maria von der großen Unterbrechung und Veränderung in ihrem Leben und dem Leben anderer: Du wirst ein Kind bekommen. Neues will wachsen in deinem Leben. Alles, was du dir für dich ausgedacht hast, wird anders werden. Fürchte dich nicht! Für Christinnen und Christen ist jetzt Passionszeit. Das ist die Zeit nach Karneval bis Ostern. Sie erinnert an den Leidensweg Jesu bis zu seinem Tod am Kreuz. Manche nehmen diese Zeit ganz bewusst wahr. Sie verzichten auf liebgewonnene oder eingefahrene Gewohnheiten in ihrem Alltag und lassen sich ein auf Unterbrechung und Ruhezeit.
In unserem Haus in der Evangelischen Studierenden Gemeinde (ESG) in Köln gibt es einen besonderen Ort: Die Sandkapelle. Ein Raum, dessen Boden mit Sand ausgelegt ist. Kaum hat man ihn betreten kehrt Ruhe ein, innere und äußere. Die Seele tankt auf, holt Luft im hektischen Unibetrieb. Schöpft Kraft für heilsame Unterbrechungen. Und das Schöne dabei ist: Das Leben geht trotzdem weiter. Draußen vor der Tür, in den Fluren, im Garten. Ruhe ist nicht gleich Stille. Da gibt es Geräusche, die ablenken, Vögel, die zwitschern, Schritte, die sich nähern und wieder entfernen. Da ist Gemurmel und Autolärm. Da lebt der Alltag weiter inmitten der Ruhe des Tages. Da kann ich für mich sein und trotzdem mit den anderen und der Welt verbunden. Sprecher: Zwischen Wegschaffen und Vorplanen sollst du dich erinnern an den ersten Schöpfungsmorgen, deinen und aller Anfang, als die Sonne aufging ohne Zweck und du nicht berechnet wurdest in der Zeit, die niemandem gehört außer dem Ewigen. (Burkhard Reinartz, WDR3-Sendung 'Lebenszeichen Sonntag, 18.12.11 um 08:30 Uhr, Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt! Die Nachtseite des Lebens)
Autorin: Das wünsche ich mir: Gottes Geschöpf sein, zu nichts verzweckt und berechnet. Nicht geschäftig und getrieben, aber frei an Zeit und Muße. In der Ruhe liegt die Kraft. Kraft die mich stärkt, nicht nur für mich selbst und meinen Alltag, sondern auch dafür, den Lauf der Welt für einen Moment zu unterbrechen. Kraft, die mich zu einer werden lässt, die andere unterbricht, zum Innehalten zwingt, zum Aufhören mahnt: Wo feindliche Parolen das Gespräch unmöglich machen; wo Streit anfängt, der zu nichts führt; wo Gewalt und Hass Begegnung verhindert und Widerstand sich in mir regt. In der Ruhe liegt die Kraft. Für stille Augenblicke und für notwendige Unterbrechungen lebensfeindlicher Momente.
Ich wünsche Ihnen einen geruhsamen Tag, Ihre Pfarrerin Christiane Neufang aus Köln
Zwischen Arbeiten und Konsumieren soll Stille sein
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