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Was Prominente glauben: Norbert Blüm
O-Ton: Ich war jahrelang Friedhofsmessdiener. Diese Karriere ist abrupt beendet worden, weil ich in das Weihrauchfass Schwarzpulver gemischt hatte.
Was zu einer leichten, nicht vorgesehenen Explosion am Grab geführt hat, und das Ende meiner Messdienerei eingeläutet hat.
Autor: erzählt der Politiker Norbert Blüm. Von dieser Erfahrung als Messdiener zehrt der ewige Arbeitsminister im Kabinett Kohl und überzeugte Christdemokrat, bis heute:
O-Ton: Auch als Nichtbeteiligter begreifst du, dass es für die, die da am Grab stehen, doch einen Unterschied ausmacht, ob der, der da im Sarg liegt, jetzt in einem Loch verschwindet und das war es, oder ob die, die am Grab stehen, wissen, dass sie ihn wiedersehen werden.
Autor: Der Glauben, dass das Leben weitergeht, und dass der Mensch das Leben nicht auf Teufel komm raus, schon gar nicht auf Kosten andere auskosten muss, hat Norbert Blüm zum Sozialpolitiker gemacht.
O-Ton: Aber das ist natürlich immer gefährdet. Ich weiß ja noch gar nicht, wie ich, ob ich dieses Urvertrauen auch in den letzten großen Bedrängnissen durchhalte. Ich hoffe es.
Autor: Norbert Blüms Vater war evangelisch, seine Mutter katholisch. Sie hat ihm vor allem den Glauben vermittelt, sagt er. Doch bei allem Gottvertrauen ist immer auch ein Ringen zu spüren: O-Ton: Ich hätte mit dem lieben Gott noch ein paar Rechnungen offen. Ich hoffe, dass er sie mir beantwortet: (
) Wieso müssen Millionen Kinder verrecken, grausam? Wieso sechs Millionen Juden in Auschwitz und Gott greift nicht ein?
Autor: Hiob ist für Norbert Blüm deshalb eine zentrale Gestalt der Bibel:
O-Ton: Was mir an Hiob ein Bespiel ist: Der stellt grob Fragen an Gott. Der ist der große Ankläger. Aber dass es Gott gibt, daran hat er keinen Augenblick Zweifel. (
) Und Gott antwortet ihm. Und in sofern hoffe ich, dass er auch mir antwortet.
Autor: Geprägt hat Blüm noch eine andere Bibelgeschichte. Die natürlich nahe liegt bei einem Sozialpolitiker, die vom barmherzigen Samariter:
O-Ton: Der Samariter macht nicht große Worte, der setzt keine Enquete-Kommission ein, sondern legt den unter die Räuber Gefallenen in sein Fahrzeug, das war ein Esel, und bringt ihn zu nächsten Sozialstation, das war ein Wirtshaus, und sorgt noch dafür, dass auch langfristig geholfen wird.
Autor: Für Blüm ist dieses Gleichnis eine klare Antwort auf die entscheidende Frage des Lebens: Wer ist dein Nächster?
O-Ton: Nicht dein Glaubensgenosse, nicht dein Gesinnungsgenosse, sondern der, der in Not ist. Und das ist eine kleine Revolution.
Autor: Norbert Blüm hält mit seinem Glauben nicht hinterm Berg. Das führt schon mal zu skurrilen Begegnungen. Eine davon war in Chile:
O-Ton: Ich hatte mit dem Pinochet ´ne große Schreierei. Und als er gar nicht mehr weiter kam, hat er gesagt: Hier, hinter mir, großes Kreuz. Vor dem bete ich jeden Tag. Da habe ich gesagt: Herr Präsident, das wird ihnen auch nicht helfen. Der, vor dem sie da beten, der kennt jeden, den sie umbringen ließen und zwar mit Uhrzeit, Ort und Adresse. Und der wird sie danach fragen.
Autor: Pinochet stand dann auf, berichtet Blüm, ging fast wortlos zur Tür und sagte nur:
O-Ton: Ausgerechnet ihr Deutschen, Auschwitz! Und ich hab ihm gesagt: Ja, gerade deshalb, Herr Präsident.
Was Prominente glauben: Norbert Blüm
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