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In Hülle und Fülle
Wer sagt, dass man Glück nicht kaufen kann, hat keine Ahnung von Shopping! Den Spruch las ich an einem Ständer für Postkarten.
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Es stimmt ja: Wenn ich mir etwas Schönes, Schickes, Langbegehrtes kaufe, macht mich das glücklich. Jedenfalls für den Moment. Im besten Fall auch noch lange danach. Aber was ist eigentlich Shopping oder shoppen gehen?
Lange dachte ich, shoppen wäre nur ein anderes Wort für einkaufen. Pustekuchen! Typisch Mann, meinte eine Freundin und erklärte mir, was sie und andere unter Shopping verstünden. Shoppen sei das lustbetonte Schlendern, Anprobieren, Schauen nach Kleidung, Geschenken oder Schmuck. Aha! Vermutlich sagt darum niemand er gehe shoppen, wenn er im Baumarkt eine Packung Dübel oder im Supermarkt ein Pfund Kaffee kaufen will.
Damit es uns leichter fällt, unser Geld auszugeben, zielt die tägliche Werbung auf die Befriedigung unseres Lustgefühls. Mit Bildern von schönen Körpern, herrlichen Landschaften und leckerem Essen verspricht sie ein kleines Stück Glück. Jedenfalls dem, der es sich leisten kann. Glück hat, wer Kohle hat. Pech hat, wer nix hat.
Wir kaufen nicht nur, weil wir etwas dringend brauchen. Wir kaufen auch, weil wir ein Gefühl damit verbinden. Man gönnt sich ja sonst nichts! Dabei gönnen wir uns oft so einiges. Und zwar meistens zum Genuss.
Gegen Genuss will ich nichts sagen. Genießen gehört zum Leben dazu. Genießen tut gut. Aber Genuss kann wie vieles andere auch zu einer Sucht werden.
Dann reicht es nicht aus, dass die Kleidung wärmt und gut aussieht. Sie muss schon von einer bestimmten Marke sein, ein gewisses Image haben sonst taugt sie ja nichts. Und Nahrungsmittel werden mit Prädikaten künstlich aufgewertet: Da gibt es das frischgezapfte Premium-Pils für den außergewöhnlichen Biergenuss, teure Fitness-Drinks für die Dauersportler, Balance- oder Wellness-Cornflakes für die Gestressten, Süßes für die Naschkatze, nur ohne die böse Schokolade
Wie haben das bloß die Generationen vor uns ausgehalten? Die müssen sehr unglücklich gewesen sein, weil sie nicht täglich aus 80 verschiendenen Joghurtmarken und 150 Brotsorten auswählen konnten.
Wie wäre es, wenn wir unser Glücksgefühl nicht davon abhängig machen, was andere uns als Glück verkaufen wollen?
Gar nicht so schwer, habe ich gemerkt. Ich fahre gerne Auto und achte auch auf eine gute Ausstattung. Aber wenn ich mal zu einem dringenden Termin musste und liegengeblieben bin, war ich glücklich über jeden fahrbereiten Untersatz den ich auftreiben konnte. Wie egal war mir in diesem Moment der Fahrkomfort, die Farbe oder Automarke!
In Notzeiten reduzieren sich unsere Ansprüche wieder auf ein gesundes Maß. Wer dringend Hilfe braucht, gibt sich oft schon mit wenig zufrieden. Diese Erkenntnis ist nicht neu, kann aber helfen, dass wir wieder mehr das genießen und würdigen, was wir längst besitzen.
Diese Erfahrung hat schon vor vielen tausend Jahren ein Mensch so zusammengefasst: Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes. heißt es in der Bibel in Psalm 116, Vers 7.
Ich möchte mich darum auch heute wieder bewusst an dem freuen, was ich von Gott für heute bekommen habe: das heutige Geld, die heutigen Freunde, die heutigen Möglichkeiten.
Genießen Sie den heutigen Tag. Er kommt so nicht mehr wieder. Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute glücklich und zufrieden sein können mit dem, was sie längst haben.
Ihr Pastor Sebastian Begaße aus Dortmund.
In Hülle und Fülle
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