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Wann ist der Mann ein Mann?
Gibt es noch echte Kerle? lautete das Thema einer Talkshow im Fernsehen. Und wie so oft kamen nur Gäste mit provozierenden Ansichten zu Wort.
Eigentlich langweilig, der dauernde Streit über die Rollenbilder von Mann und Frau. Andererseits ist das Thema ein Dauerbrenner. Die Gesellschaft ist sich alles andere als einig darüber, wie Männer heute sein sollten: Einerseits sollen Männer empfindsamer, berechenbarer, lenkbarer sein und zu ihren weicheren Seiten stehen.
Andererseits sollen sie echte Kerle sein - stark und mutig. Doch die scheint es nur noch in Romanen und Filmen zu geben. Wenn meine Freunde und ich ins Kino gehen, dann sehen wir gerne Filme à la Star Wars, Indiana Jones oder Fluch der Karibik. Wir lieben es, wie der Held Kämpfe und Abenteuer bestehen muss. Und fiebern mit, wenn er seine Angebetete für sich gewinnt und aus großer Gefahr rettet. Ich glaube, dass solche Filme deswegen so erfolgreich sind, weil sie einen tiefen Wunsch - vor allem in uns Männern - ansprechen: Den Wunsch nach einem aufregenden Leben, nach einem erfüllten und sinnvollen Leben. Den Wunsch, Teil eines großen Abenteuers zu sein. Der Alltag sieht dann oft anders aus. Männer versuchen, auf keinen Fall zu stark und dominant aufzutreten man könnte ja als Macho gelten. Wer mit Leidenschaft für etwas kämpft, wird schnell kritisiert, dass Mann ja immer nur gewinnen will
Als Kind war das einfacher, da haben wir Abenteuer geradezu gesucht: Wir sind heimlich über Zäune geklettert, um auf Baustellen zu spielen. Nach dem Raufen oder Fußballspielen sind wir verschwitzt und mit kleinen Blessuren aber glücklich nach Hause gekommen. Heute leben Männer oft gebremst.
Die Gesellschaft hat sich weichere Männer gewünscht und sie auch bekommen!
Als Vorbild muss oft Jesus herhalten: Da ist dann die Rede von seinem Mitgefühl, seinem Verständnis, seiner Milde. Jesus war aber nicht nur ein Mann, der die Kinder segnete, sondern der zielstrebig auftrat und klare Worte fand. Dieser Jesus ist ziemlich in den Hintergrund gerückt: Der Jesus, der mit seinen Predigten und Taten gegen soziale Ungerechtigkeit, gegen scheinheilige Frömmigkeit, gegen Überheblichkeit und Verurteilung eintrat. Der Jesus, der als Mann profitsüchtige Händler mit Gewalt aus dem Vorhof des heiligen Tempels vertrieb. Jesus, der als Mann Gottes Liebe UND Gottes Gerechtigkeit predigte. Jesus, der als Mann nicht gekreuzigt wurde, weil er nicht kämpfen konnte, sondern weil Menschen die Wahrheit über ihr Leben nicht länger hören und ertragen wollten.
Wenn die Bibel von erfülltem Leben spricht, dann beschwört sich nicht Träume à la Hollywood. Jesus kein Super-Mann, aber auch keiner, der vor dem harten Lebensalltag gekniffen hat. Wer das Abenteuer Leben sucht, wer ein Mann oder eine Frau nach Gottes Herzen sein will, wird auch echte Gefahren, echte Kämpfe, echte Gegner - und darum auch mal echte Niederlagen erleben. Aber dafür auch echten Jubel über echte Siege.
In seinem Buch Der ungezähmte Mann beschreibt der Autor John Eldredge erfrischend das grundsätzliche Wesen von Männern. Was Männer lebendig und zufrieden macht. Er findet aber auch kritische Worte, wo Männer sich ihrer Verantwortung entziehen und nicht ehrlich mit sich und ihren Schwächen umgehen. Wo Männer ihre Wünsche, Ängste und verlorenen Kämpfe mit Arbeit, Erfolgssucht, Affären kompensieren. Eldredge will Männer dazu ermutigen, die Wünsche, Stärken und Verantwortungen, die Gott ihnen gegeben hat, wieder mit Gottes Hilfe neu zu entdecken. Und zu diesen typischen oder besonderen Fähigkeiten zu stehen und sie mutig und selbstbewusst zu leben. Den Frauen rät er übrigens ähnliches.
Ihr Pastor Sebastian Begaße aus Dortmund
Wann ist der Mann ein Mann?
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