Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

20.02.12; Pastor Sebastian Begaße

Schaden an der Seele

Der Montag vor der Fastenzeit dem Rosenmontag ist geweiht. Wenn draußen herrscht auch Karn´valstreiben, muss ich doch etwas ernster bleiben.

Gereimt wird hier ganz ohne Zoten und ohne Blick auf Einschaltquoten.
Hier wird wieder nachgedacht, was man aus seinem Leben macht.
Denn der Horizont sich weitet, wenn man von Gottes Wort begleitet.

Es hatte einst dies Rätselwort im Leben Jesu seinen Ort:
Er sprach: „Wer sein Leben will erhalten, wird´s nicht lange können halten.
Doch wer mit mir lebt sein Leben, dem werde ich ewig Leben geben.
Denn was würde es dem Menschen bringen, könnt er die ganze Welt gewinnen und besäße wirklich jeden Laden – und nähme doch an seiner Seele Schaden?
(Markus 8,35-36)

Es spricht hier Jesus von Gefahren, die damals schon bedrohlich waren.
Doch wollen wir zunächst mal fragen: „Was kann man denn zur Seele sagen?“

Die Seele ist die Kraft zum Leben, die Gott den Menschen hat gegeben.
Bleibt Anerkennung ihr verwehrt, als neues Wort sie wiederkehrt.
Woher kommt denn „Identität“? Was ist denn „Lebenskontinuität“?
Die Biologie sucht sie vergeblich, allein der Körper ist maßgeblich.
Wer heute krank wird und sucht Heilung, bekommt mit EKG ´ne Peilung.
Ein Arzt, der fragt nach Seelennot, verdient schon bald kein täglich Brot.
Es fehlt die Zeit, das gute Wort – behandelt wird hier im Akkord.

Und manche tun sich selber an, was der Seele schaden kann:
Es sucht das Land den Superstar, neue Models, Sänger – ist doch klar.
Und mancher glaubt, sein Traum wird wahr,
lässt sich auf das Casting ein – und fällt nur auf die Macher rein.
Man meint, das Image ist aufpoliert – tatsächlich wird man vorgeführt.
Der Rummel ist schon ein Erlebnis, doch was steht am Ende für´n Ergebnis?
So mancher glaubt, er wird ein Star – und bleibt im Grunde austauschbar.
Egal die Menschen, egal die Themen, die Sender für die Talkshows nehmen:
Kurz ist man in die Höh´ geflogen, weil andere die Strippen zogen.
Tritt man zurück vom  Rampenlicht, wird  schnell man wieder zum kleinen Wicht.
Wer nur noch fragt: „Wie komm´ ich an?“, sich selber nicht behaupten kann.
Profil gewinnt man nur privat, wenn man den Alltag vor sich hat.
Wenn dort die Menschen einen mögen, ist das ein unschätzbarer Segen.

Dies zu den Problemen mit dem Ruhm, doch ähnlich ist´s mit Eigentum:

„Geld mach nicht glücklich!“, sagt man gerne. Doch arm dran ist, wem es ferne.
So ist als erstes zuzugeben: Wir brauchen es zum täglich Leben.
Man braucht es für die Wohnungsmieten -  und um den Kindern was zu bieten.
Manch einer kann im Gelde baden – und nimmt so an seiner Seele Schaden.
Dann kommt es, dass man alles hat – und hat doch auch das Leben satt.
„Mein Haus, mein Flugzeug, meine Yacht!“ Doch nichts, was  ewig glücklich macht.

Ob Ruhm, ob Schönheit oder Geld, ob Wissen oder andres zählt,
wenn meine Seele Gott nicht ehrt, sich Gutes in Gefahr verkehrt.
Was nützt´s, wenn ich die  Welt gewinn´ und mich nicht auch drauf besinn´:
„Von wem ist diese Welt gekommen? Von wem hab ich mein Sein genommen?“

Wenn Ruhm und Reichtum mich stark binden, kann ich darin nicht Leben finden.
Werd´ ich von außen nur geformt,  bin ich null-acht-fünfzehn eingenormt.

Ich verstehe Jesus so: Wer  kennt nur „Ich“ und nicht auch das „Du“ –
der fügt der Seele Schaden zu.

Zum Schluss ich nun vom Reimen lasse,
es grüßt Sie herzlich aus Dortmund
Ihr Pastor Sebastian Begaße.

Audiobeitrag Schaden an der Seele


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