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Mille grazie, rifugio
Anzukommen am Ziel, müde, verschwitzt und mit dem Gefühl: Ich habs geschafft das ist toll auf einer Bergwanderung.
Das ist toll an jedem Tag meines Lebens, wenn ich ein Ziel erreicht habe. Da freue ich mich und bin rechtschaffen müde und ich genieße es, mich auszuruhen. Auf unserer Bergwanderung im letzten Jahr waren unsere Tagessziele die Schutzhütten, in denen wir zu Abend aßen und übernachteten. Es war immer herrlich, dort anzukommen: die Bergschuhe ausziehen, den Rucksack ablegen, duschen und dann: Mich mit meinem Mann vor der Hütte auf die Wiese setzen, einen Apfelstrudel essen und ein kühles Bier trinken. An eine Hütte erinnere ich mich ganz besonders gern.
Eng an den Berghang geschmiegt steht sie da. Ursprünglich war sie mal ein Schafstall gewesen. Vor 50 Jahren wurde der zu einer Schutzhütte umfunktioniert. Im Erdgeschoss: Drei Türen mit Rundbögen; rot-weiße Fensterläden in den oberen Stockwerken, weite Wiesenflächen und ein weißes Zelt vor der Hütte. Tages- und Übernachtungsgäste lassen sich gerne nieder auf den einfachen Bänken an den Holztischen. Zwei Familien fielen mir auf: Elternpaare mit ihren kleinen Kindern vom Säuglings- bis zum Grundschulalter.
Tom und Jeremias, sechs oder sieben Jahre alt, tobten herum. Sie spielten fangen, jagten sich gegenseitig und holten sich zwischendurch von ihren Eltern etwas zu essen und zu trinken. Der kleine Bruder von Jeremias lag währenddessen unter der Zeltplane auf der Wiese und schlief. Plötzlich schreckte er weinend hoch sein Vater ging zu ihm und legte sich neben ihn. Mit seinem großen Körper schirmte er den kleinen Körper des Säuglings von der Umwelt ab. In diesem Schutz geborgen, konnte der kleine Junge langsam aufwachen. Neugierig geworden näherten sich Tom und Jeremias langsam und vorsichtig dem Kleinen auf der Erde. Behutsam drückte der Bruder ihm einen Kuss aufs Gesicht und der Freund streichelte eine der kleinen Hände.
Wie im Paradies ist es hier, dachte ich, und freute mich an den lebensfrohen Kindern und den Eltern, die Zeit und Energie für ihre Kinder hatten. Doch das Paradies war nicht für die Ewigkeit. Die Erwachsenen packten ihre Rucksäcke und suchten die Sachen der Kinder zusammen. Tom und Jeremias hatten gar keine Lust, jetzt zu gehen. Ihre fröhlichen Gesichter verfinsterten sich bis einer der Väter eine gute Idee hatte: Bedankt euch bei der Hütte für diesen schönen Tag, schmunzelte er den Jungen zu. Und sie begannen zu tanzen und zu singen: Mille grazie, rifugio, sangen sie, immer wieder Tausend Dank, Schutzhütte. Tausend Dank für diesen Tag. Singend stiegen sie ins Auto und fuhren ab.
Dankbarkeit erleichtert den Abschied vom Paradies, habe ich da gemerkt. Dankbarkeit macht es möglich, wieder nach unten zu gehen. Und Alltag zu leben mit Sonne, Regen Gewitter und Sturm. Gut ist es, jemanden zu finden, dem ich danken kann für das Schöne, was ich erlebt hab. Tom und Jeremias bedankten sich bei der Hütte ich dankte Gott dafür, dass ich mit ihren Familien ein Stück Paradies erleben durfte.
Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, wünsche ich, dass Sie heute etwas erleben, wofür Sie sich bei Gott bedanken können. Ihre Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer aus Meschede.
Mille grazie, rifugio
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