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Bergauf gehen
Bergaufgehen strengt an. Das habe ich im letzten Jahr auf meiner Wanderung in den Dolomiten erlebt. Besonders in den ersten Stunden nach dem Aufbruch wurde mir manchmal
jeder Schritt zu Last. Ich ging und ging und hatte den Eindruck, überhaupt nicht weiterzukommen. Wie eine Schnecke schien ich zu schleichen, ich schwitzte und wurde immer kraftloser. Dabei war ich doch am Abend zuvor so begeistert gewesen. Beim Abendbrot hatte ich zufrieden auf die Wanderung des vergangenen Tages zurückgeblickt und mit Lust auf den kommenden Tag. Doch jetzt unterwegs mit dem Gepäck auf dem Rücken und der Sonne im Gesicht war auf einmal alles so schwer. Wie sollte ich je so mein Ziel erreichen?
Sie kennen das sicher auch, liebe Hörerin, lieber Hörer. Nicht nur auf Bergwanderungen scheint das Ziel immer weiter in die Ferne zu rücken. Auch im Privatleben oder im Beruf ist das manchmal so. Vor dem einen liegt eine Aussprache mit dem Freund. Je mehr er darüber nachdenkt, desto weniger traut er sich zu, die richtigen Worte zu finden und die verfahrene Situation lösen zu können. Eine hat sich Arbeit mit nach Hause gebracht. Sie türmt sich auf dem Schreibtisch. Wie soll ich das alles schaffen? fragt sie sich. Andere sind alt und stellen sich vor, wie das jetzt weitergehen wird. Sie malen sich Situationen aus, in denen sie einsam, hilfsbedürftig und ängstlich sein werden. So verlieren sie den Mut für den Tag, der vor ihnen liegt.
Auf der Wanderung blieb mir nichts anderes übrig, als weiterzugehen. Mein Mann war schon einige Meter voraus. Wir mussten die Hütte erreichen, denn da wollten wir schlafen und zurückgehen wollte ich auch nicht. Ich setzte Schritt vor Schritt. Schaute nach unten, immer nur dahin, wohin ich meine Füße als nächstes setzen wollte. Und mit der Zeit kam ich in einen Rhythmus, die Länge meiner Schritte passte sich meinen Atemzügen an. Rechter Fuß, linker Fuß, einatmen und ausatmen alles kam in die richtige Reihenfolge. Ich begann, Spaß zu empfinden, Freude an der Bewegung und Lust auf den nächsten Schritt. Als ich nach einer längeren Zeit wieder einmal stehen blieb und mich umguckte, staunte ich: Der Gipfel war schon sehr viel näher gerückt und die Hütte, von der wir aufgebrochen waren, kaum mehr zu sehen.
Fast jeden Tag habe ich das auf unserer Wanderung erlebt und immer öfter fiel mir ein Jesuswort ein: Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das seine sorgen. (Matthäus 6,34) Ich habe mir dieses Wort so übersetzt: Guck nicht immer schon aufs Ziel des Weges. Sondern gehe sorgfältig den nächsten Schritt. Das reicht. Begrenz dich auf das, was direkt vor dir liegt und finde heraus, wie du das schaffst.
Diese Erfahrung aus den Bergen gilt auch im Alltag. Unsere Sorge wird kleiner, wenn wir herausfinden, was das Nächstliegende ist: Wie kann der Freund am besten erreicht werden? Welche Arbeit muss zuerst erledigt werden? Welche Herausforderung stellt das Altwerden heute an mich?
Den Mut für den nächsten Schritt wünscht Ihnen Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer aus Meschede.
Bergauf gehen
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