Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.02.12; Nicole Richter

Herzkissen

Autorin: Auf dem orangenen Sofa im Beratungszimmer türmen sich bunte Kissen. Pinke mit Rosenmuster, gelbe mit Sonnenblumen, blaue mit Sternen. Alle in Herzform.

Und alle für einen guten Zweck. 

O-Ton: Das ist so, dass wir hier auf der Station die Patientinnen mit Brustkrebs ansprechen, und ihnen das Angebot machen und sagen, dass es hier diese Herzkissen gibt, dass jede Frau so eins geschenkt bekommt, erklären auch, dass man eben auch den Druckschmerz nehmen kann, und andererseits, dass es ein Geschenk ist.

Autorin: Ursula Weber ist Psychoonkologin am Johannes Hospital in Dortmund. Sie begleitet Frauen, die die Diagnose Brustkrebs verkraften müssen. Sie verteilt diese Herzkissen gerne, denn sie können, unter den Arm geklemmt, die Schmerzen nach einer Operation lindern. Vor allem aber spenden sie Trost. Sie werden von engagierten Menschen genäht, die den Verein Herzkissen unterstützen.

O-Ton: Im Schnitt sind bestimmt 150 Dortmunder Frauen, Männer und auch  Kinder, die einfach fleißig helfen, Herzkissen zu nähen. Wir haben sieben Abgabestellen in Dortmund, die Stoffgeschäfte unterstützen uns, und man kann einfach ein Herzkissen nähen und dann dieses auch in den Geschäften abgeben.

Autorin: Claudia Hermann-Fürst ist eine der Vorsitzenden des Vereins. Sie hat es miterlebt, wie aus einer kleinen, aber engagierten Frauennähgruppe ein Großprojekt entstanden ist. Der Verein hat es tatsächlich geschafft, in den letzten eineinhalb Jahren 1.800 Kissen an Krebspatientinnen in ganz Dortmund zu verschenken. Und er hat damit eine Idee umgesetzt, die ursprünglich aus den USA kommt. Von dort wurde sie von der dänischen Krankenschwester Nancy Frijs-Jensen nach Europa getragen. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland ein großes Netzwerk der Herzkissen-Näherinnen mit Botschaft.

O-Ton: Es soll eigentlich schon zeigen, von Frau zu Frau, das ist uns ganz wichtig für uns, dass das ein Geschenk ist, soll also kein Kommerz damit betrieben werden, und eben der Frau zeigen, der Betroffenen, sie ist nicht alleine. 

Autorin: Annette Huckebrink erfuhr vor zwei Jahren, dass sie Brustkrebs hat. Um die Strapazen der Chemotherapie, die Operation und die anschließende Bestrahlung gut zu überstehen, schloss sie sich einer Gesprächs -Gruppe für jüngere Frauen an. Frauen, die alle unter Brustkrebs leiden. Sie kann sich noch gut an die Situation erinnern, als sie ein Herzkissen geschenkt bekommen hat.

O-Ton: Das werd ich nie vergessen, dieses Gefühl und bin es immer noch, wirklich sehr berührt. Von diesem Engagement, dass wildfremde Frauen, die ich nicht kenne, sich hinsetzen, diese Kissen nähen und nicht einen einzigen Cent dafür haben möchten. Das war für mich ein riesiger Akt der Nächstenliebe, aber ohne einen Stempel darauf zu geben, das ist jetzt katholisch oder evangelisch initiiert, oder wie auch immer.

Autorin: Es gibt viele Kissen zu nähen. Denn jährlich erkranken in Deutschland etwa 50.000 Frauen an Brustkrebs. Die sechsunddreißig jährige Patricia Wolf gehört erst seit Kurzem zu ihnen. Sie hat sie sich ihr Herzkissen bereits ausgesucht. Wenn also die Strapazen der kommenden Wochen vorbei sind, wird dieses handgenähte Herz wie eine Belohnung für sie sein.

O-Ton: Ich habe jetzt morgen meine letzte Chemotherapie und dann eben noch die Operation und die Bestrahlung, das sind so  die nächsten Schritte. Gerade so in dieser Zeit, kriegt man da ein unglaubliches Gefühl für diese kleinen Geschenke, und das tut halt immer gut, von daher kann man sagen, dass ist auf jeden Fall ein kleiner Lichtblick.

Audiobeitrag Herzkissen


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