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Südliche Tote
Jeder Tote ist einer zu viel. Ertrunken treiben die leblosen Körper im Meer. Die, die noch aufzufinden waren - die Meisten bleiben vermisst.
Das Meer spricht seine eigene Sprache.
Dabei war es eigentlich keine wirklich große Meldung so mit Schlagzeile auf den Titeln der bekannten Tageszeitungen oder Sondersendungen im Fernsehen als am 6.Juli 2011 fast alle Passagiere ertranken. Von 200 Menschen überlebten drei.197 afrikanische Flüchtlinge ertrinken, nachdem auf dem Flüchtlingsboot ein Feuer ausgebrochen war, vor der Küste des Sudan auf dem Weg nach Saudi-Arabien.
Flüchtlinge aus des ärmsten Staaten Afrikas. Somalia, Eritrea, Tschad. Es sind die, die es geschafft hatten. Bis zu dem Schiff mit dem Fluchthelfern. Und jetzt die Havarie der Costa Concordia. Das Luxuskreuzschiff fährt zu nahe an die Insel Giglio und läuft auf. Gott sei Dank , können 4200 Passagiere gerettet werden. Dramatische Szenen spielen sich ab. Menschen versuchen einander zu helfen und geraten in Panik. Das Undenkbare geschieht. Fast unsinkbare Hightech auf See sinkt. Menschen sterben, werden vermisst.
Nicht, dass sie mich falsch verstehen. Jeder Tote ist einer zu viel.
Mich erschreckt die Verhältnismäßigkeit. Da sterben Menschen bei einer Urlaubsfahrt auf See, wahrscheinlich aufgrund menschlichen Versagens und die Bedeutung, die dieser tragische Unfall in der öffentlichen Wahrnehmung hat, ist erheblich.
Die Costa Concordia überall war sie zu sehen. Auf den Titelseiten der Tageszeitungen und Wochenmagazine. Nur: Wen interessieren die fast 200 Toten Afrikaner auf ihrem Exodus? Interessiert nur, was mich betrifft oder betreffen könnte?
Europäer sind eben eher potenzielle Kreuzschifffahrtspassagiere, als Flüchtlinge. Sie wissen: Auf dem Schiff hätte ich sein können oder jemand, den ich kenne. , Die Schwarzen auf dem Fischerboot sie sind weit weg. Von mir, von meinem Leben..Das spiegelt sich auch in der Berichterstattung. Nichts Neues.
Und? Ich stelle mir vor: Das Drama vor der Küste des Sudans wäre die Topnachricht gewesen. Ein Aufschrei der Empörung ginge durch die Öffentlichkeit. Experten würden gehört. In Schulen, Parlamenten und Kirchen würde man sich fragen, ob das WIR der einen Menschheit eigentlich an den Grenzen Europas aufhört.
Manche meinen: Ja So ist das eben. So sei der Mensch. Letztlich sei es ein Naturgesetz, dass einem - wie man so sagt die Jacke näher ist, als die Hose. Und vielleicht ist das ja auch so. Nur ich glaube: Es ist nicht NUR so.
Neben allem ängstlichen Egoismus, neben der Gier, neben der Angst vor Veränderung und dem anderen Menschen, gibt es auch Anteilnahme, Berührtsein , echte Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit, Liebe. Sowohl als auch. Zu sagen: Man kann ja doch nichts machen.
Ist kein Satz, der mit Gott und den Menschen rechnet. Jeder Tote vor der Zeit ist einer zu viel. Ob auf der Flucht oder auf der Reise. Es ist immer wieder wichtig, sich daran zu erinnern: Wir sind nicht die Welt. Wir sind wie Alle. Teile des Ganzen. Mit Namen, die Gott kennt.
Südliche Tote
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