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Meine nächste Nachbarin
Als ich nach Hause komme, liegt ein Päckchen vor der Wohnungstür meiner Nachbarin. Darauf liegt ein Zettel. Es tut mir leid.
Steht da. Das Päckchen ist in grünes Geschenkpapier gewickelt. Der Zettel wurde unsauber aus einem Block gerissen. Unterschrieben hat Andreas. Was ihm wohl leid tut?
Ich weiß es nicht und werde es nie erfahren. Meine Nachbarin und ich: Wir grüßen uns im Hausflur. Ich habe mir schon mal ihre Leiter geliehen. Sie trägt immer Kostüme, arbeitet in einer Bank, ist Anfang dreißig, etwas älter als ich. Mehr weiß ich nicht. Ist oder war Andreas ihr Freund, der sich getrennt hat? Oder ein guter Freund, der Mist gebaut hat? Vielleicht ist Andreas ihr Bruder. Ich hab keine Ahnung, ob meine Nachbarin einen Bruder oder einen Freund hat.
Unsere Wohnzimmer liegen Wand an Wand. Ich höre, wenn sie ihre Wohnung verlässt, weil die Eingangstür quietscht. Wir leben beide allein. Sie ist meine Nächste. Der Mensch, der mir rein räumlich am nächsten ist, wenn ich zu Hause bin.
Halte ich mich gerade deshalb von ihr fern? Sich auf den allernächsten Menschen einzulassen ist besonders gefährlich: Was, wenn sie mich zurückweist und ich sie weiter im Hausflur treffe? Was wenn sie mich volllabert und mir auf die Nerven geht? Gleichzeitig wäre es schön, eine Freundin in der Nähe zu haben. Ein Wagnis. Ich hoffe, ich gehe es ein.
Sprecherin: Alexa Christ
Meine nächste Nachbarin
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