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Ich weiß, mein Gott, dass all mein tun (eg 497)
Choralvorspiel - Sprecherin: (overvoice) Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun / und Werk in deinem Willen ruhn, / von dir kommt Glück und Segen; / was du regierst,
das geht und steht / auf rechten, guten Wegen.
Choral: (1. Strophe) Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun / und Werk in deinem Willen ruhn, / von dir kommt Glück und Segen; / was du regierst, das geht und steht / auf rechten, guten Wegen.
Autor: Was trägt dazu bei, dass unsere Wege gut werden und gut bleiben? Der Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt gibt dazu in seinem Lied "Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun" einige gute Hinweise. Ausgangpunkt ist für ihn ein Wort aus der Bibel:
Sprecherin: Ich weiß, HERR, dass des Menschen Tun nicht in seiner Gewalt steht, und es liegt in niemandes Macht, wie er wandle oder seinen Gang richte. (Jeremia 10,17)
Autor: Paul Gerhardt hat schon vor 350 Jahren die bedrückende Beobachtung gemacht, dass viele Lebensentwürfe kläglich scheitern:
Choral: (3. Strophe) Es fängt so mancher weise Mann / ein gutes Werk zwar fröhlich an / und bringt`s doch nicht zum Stande; / er baut ein Schloss und festes Haus, / doch nur auf lauterm Sande.
Sprecherin: (overvoice) Es fängt so mancher weise Mann / ein gutes Werk zwar fröhlich an / und bringt`s doch nicht zum Stande; / er baut ein Schloss und festes Haus, / doch nur auf lauterm Sande.
Autor: Diese gescheiterten Lebensentwürfe vor Augen, bekommen wir manchmal Angst. Angst, die falsche Richtung zu wählen, wenn wir vor einer schweren Entscheidung stehen. Gehe ich den richtigen Weg? Deshalb finde ich dieses Lied von Paul Gerhardt so wertvoll, weil es mir zeigt, wie ich mit meinen Fragen zur Ruhe kommen kann. Dieses Lied beschreibt eine christliche Lebenskunst: Wie ich mich in aller Ungewissheit der Führung durch Gott anvertrauen kann.
Choral: (2. Strophe) Es steht in keines Menschen Macht, / dass sein Rat werd ins Werk gebracht / und seines Gangs sich freue; / des Höchsten Rat, der macht`s allein, / dass Menschenrat gedeihe.
Sprecherin: (overvoice) Es steht in keines Menschen Macht, / dass sein Rat werd ins Werk gebracht / und seines Gangs sich freue; / des Höchsten Rat, der macht`s allein, / dass Menschenrat gedeihe.
Autor: Vor einiger Zeit sagte mir ein Freund, dass er sich beruflich verändern will. Er wollte wegziehen und andernorts die Managementabteilung eines Unternehmens übernehmen.Wir sprachen über die ungewisse Lage, in die er sich damit hineinbegibt: Der Umzug, die berufliche Perspektive seiner Frau, der schulische Werdegang seiner Kinder und, und, und. Auf einmal sagte er: "Ach lassen wir die ganze Grübelei! Wir sind doch geführte Leute!" Er habe alles mit Gott durchgesprochen, meinte er. Seine Familie freue sich auch auf einen Wechsel. Schließlich sagte er: "Sollte ich von dem Unternehmen gewählt werden, dann werden die anderen Dinge sich auch finden!" Und so ist es auch gekommen.
Choral: (4. Strophe) Verleihe mir das edle Licht, / das sich von deinem Angesicht / in fromme Seelen strecket / und da der rechten Weisheit Kraft / durch deine Kraft erwecket.
Sprecherin: (overvoice) Verleihe mir das edle Licht, / das sich von deinem Angesicht / in fromme Seelen strecket / und da der rechten Weisheit Kraft / durch deine Kraft erwecket.
Autor: "Wir sind doch geführte Leute!" Wenn ich meinen Freund nicht so gut kennen würde - ich würde sagen: Der nimmt seinen Mund ganz schön voll. Weil ich ihn aber kenne, weiß ich: Es ist nicht angeberisch gemeint. Er ist sich dessen ganz gewiss. "Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun und Werk in deinem Willen ruhn", bekennt Paul Gerhardt. Auch das klingt etwas dick aufgetragen. Wie kann der sich so sicher sein? Für mich ist es wichtig, zwei Dinge zu unterscheiden: die Glaubenssicherheit, die eine Scheinsicherheit ist, und die Glaubensgewissheit. Aus ihr wächst der Mut für die nächsten Schritte. Auf Sicherheiten kann kein Mensch sein Leben gründen - auch Christen nicht. Der Apostel Paulus beschrieb das so:
Sprecherin: Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. (2. Korinther 5,7):
Autor: Paulus unterstreicht damit, dass Christen noch lange nicht im Himmel leben, sondern auf dieser Erde. Auch Christen sind Menschen, die sich irren. Die sich verirren auf ihren Wegen. Und die auf Gottes Vergebung angewiesen sind. Aber eine Glaubensgewissheit dürfen und sollen wir haben: die Gewissheit, dass Gott uns durchs Leben führt. So spricht Gott:
Sprecherin: Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst. (Josua 1,9)
Choralvorspiel
Autor: Nicht wankelmütig und zaudernd sollen wir unsere Wege gehen, sondern als Kinder Gottes. Getrost, weil sie sich sich seiner Führung gewiss sind. Wie wir nun der Führung Gottes gewiss werden, das beschreibt Paul Gerhardt so: Choral: (5. Strophe) Gib mir Verstand aus deiner Höh, / auf dass ich ja nicht ruh und steh / auf meinem eignen Willen; / sei du mein Freund und treuer Rat, / was recht ist, zu erfüllen. Sprecherin: (overvoice) Gib mir Verstand aus deiner Höh, / auf dass ich ja nicht ruh und steh / auf meinem eignen Willen; / sei du mein Freund und treuer Rat, / was recht ist, zu erfüllen.
Autor: Wir sehen hier einem Beter ins Herz. Paul Gerhardt bittet Gott: "Zeige mir, wie und wo ich überhaupt mit meinem Tun anfangen soll." Eine schwierige Übung für Paul Gerhardt damals und für mich heute: Geduldig danach Ausschau zu halten, welchen Weg Gott mir zeigt. Geduldig Ausschau halten: Das heißt für mich konkret, dass ich mir den Eintritt nicht erzwinge, wenn mir die Tür nicht aufgemacht wird. Als Gemeindepastor habe ich oft Ideen für ein Gemeindeprojekt, und wen ich dazu gerne für eine Mitarbeit gewinnen will. Ob die Idee von mir auch Gottes Willen entspricht, oder ob ich damit auf dem Holzweg bin, weiß ich natürlich nicht. Deshalb klopfe ich bei anderen Menschen wohl mit meiner Idee an und bitte um Mitarbeit. Wenn der andere aber "Nein!" sagt, dann wäre ich dumm, wenn ich sein "Nein!" nicht akzeptieren würde. Diese Tür ist zu und ich werde sie nicht mit der Brechstange aufmachen. Denn: Ich habe schon oft erlebt, dass es nur Verdruss bringt, wenn jemand mit noch so guten Ideen vorprescht und andere dann auch noch mit frommen Sprüchen unter Druck setzt. Der stößt sie vor den Kopf und sorgt dafür, dass sie ihre Herzenstüren grundsätzlich verrammeln.
Choral: (14. Strophe) Dein soll sein aller Ruhm und Ehr, / ich will dein Tun je mehr und mehr / aus hocherfreuter Seelen / vor deinem Volk und aller Welt, / so lang ich leb, erzählen.
Sprecherin: (overvoice) Dein soll sein aller Ruhm und Ehr, / ich will dein Tun je mehr und mehr / aus hocherfreuter Seelen / vor deinem Volk und aller Welt, / so lang ich leb, erzählen.
Autor: Geduldig Ausschau halten und vorwärts gehen, ohne mich in meine eigenen Pläne zu verbeißen, ohne sie um jeden Preis durchsetzen zu wollen. Damit rechnen, dass ich auf dem Holzweg bin und aufmerksam bleiben, wohin Gott mich führen will: So entwickelt sich nach und nach ein Gespür für Gottes Führung.
Choralvorspiel
Autor (overvoice): Alle Wege - so Paul Gerhardt - münden in das Lob von Gott ein, der uns niemals alleine durch das Leben stolpern lässt. Er hilft uns, zum Ziel zu finden; zu dem Ziel, das uns nach aller Arbeit und allem Gelingen und Misslingen erwartet: Das ewige Leben. Ein Leben, in dem ich nicht mehr nach den richtigen Wegen suchen muss, weil ich dann ganz bei Gott angekommen bin.
Musikinformationen: Choral: Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun (in Sätzen von Jochen A. Modeß) Angaben zum Choral Text: Paul Gerhardt Melodie: 16. Jahrhundert, Dresden 1608 Chor: Marienkantorei Bielefeld unter der Leitung von Jochen A. Modeß
Instrumentalversion: CD-Titel: Lobet den Herren, alle, die ihn ehren Tracktitel: Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun Ensemble: Westfälisches Bläserensemble Leitung: Werner BenzCD-Verlag und Ort: Gerth Medien, Asslar
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