Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

27.01.12; Pfarrer Reinhard Ellsel

Jesus macht gesund

Ein verwahrloster Mann wirft sich ihm mitten im Menschengedränge vor die Füße. Die Menge weicht erschrocken zurück. Der Mann ist krank. Unheilbar krank. Ansteckend krank.

Aussatz. Lepra. Ausgestoßen von seiner Familie lebt er abseits des Dorfes Kapernaum. Wie lange hat er noch zu leben? Fragen sich manche. Leben? Ach, das ist doch kein Leben, so wie der dahinvegetiert!, sagen andere. "Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen", fleht der Mann. Er fleht zu Jesus, dem Heiler. "Und Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will`s tun; sei rein! Und sogleich wurde er von seinem Aussatz rein",
heißt es im Matthäusevangelium. (Matthäus 8,3)

Liebe Hörerinnen und Hörer! Nach den Berichten der Bibel ist die Heilung des Aussätzigen eines der ersten Wunder, die Jesus wirkt. Und viele weitere Menschen machte Jesus gesund: Blinde und Gelähmte, Stumme und psychisch Kranke, eine Frau mit Blutfluss. Sogar ein Mädchen erweckt er aus dem Tod. (Vgl. Matthäus 8-9) Unermüdlich ist Jesus in Galiläa unterwegs, um zu predigen, um zu helfen, um zu heilen.

Und Jesus ging ringsum in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das
Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen. Und als er das
Volk sah, jammerte es ihn. Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige
sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.
(Matthäus 9,35-38)

Mich hat das seit meiner Kindheit immer wieder fasziniert, dass Jesus ein so großes Herz für die Kranken hat; für diejenigen, die auf die Schattenseite des Lebens geraten sind. Und was noch besser ist: Jesus kann helfen und er will helfen und er hilft.

Als Jesus die Menschen sieht, als er ihre offensichtliche äußere und ihre verborgene innere Not sieht, da "jammern" sie ihn, es geht ihm buchstäblich "an die Nieren". Aber er bejammert sie nicht. Vielmehr sagt Jesus: "Die Ernte ist groß". Das ist überraschend. Schließlich ist die "Ernte" ein positives Bild für die Erfüllung, wenn die Arbeit der Aussaat endlich zum Ziel gekommen ist.

Jesus sieht, was los ist bei uns, die Krankheit und die Schwäche, und er sieht doch noch mehr. Er sieht uns mit den liebenden Augen Gottes. Er sieht uns zum Heilwerden bestimmt. Die Kranken sieht er gesund und fröhlich. Die Einsamen sieht er inmitten von Freunden. Die Habgierigen sieht er zum Abgeben befähigt. Die Ungeliebten sieht er auf dem Weg zur Liebe.

Und Jesus sieht noch mehr: Er sieht uns als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottes; Mitwirkende - wir alle. Unser Vorbild dabei ist er selbst: Er nimmt Menschen liebevoll wahr. Er schaut nicht von oben herab auf das Gegenüber herunter, er kommt nicht mit dem moralischen Zeigefinger oder einer Belehrung daher. Dazu ist nur jemand fähig, der wirklich liebt. Wirklich lieben, selbstlos lieben, kann ich aber nur, wenn ich mich selbst so angenommen und geliebt weiß, wie ich bin. Gott schenkt diese Liebe. Jesus liebt so.

"Die Ernte ist groß". Jesus lädt uns dazu ein, dass wir Gott um Arbeiterinnen und Arbeiter in der Ernte bitten - also um Menschen, die uns mit und in unserer Krankheit annehmen. Und Jesus lädt uns dazu ein, dass wir selbst solche liebevollen Menschen werden.

Einen Tag unter den liebenden Augen Gottes wünscht Ihnen Pfarrer Reinhard Ellsel aus Lübbecke.

Audiobeitrag Jesus macht gesund


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