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Xundheit!
Liebe Hörerinnen und Hörer! Heute habe ich Geburtstag! Und da werde ich als Wunsch sicher auch zu hören bekommen: "Vor allen Dingen: Gesundheit!"
Dieser immer wieder gesagte Wunsch hat schon zu folgendem Kalauer geführt:
Kennen Sie schon den Geburtstagswunsch mit den drei "X"? - "Xundheit, Xundheit, Xundheit!"
"Vor allen Dingen: Gesundheit!" oder "Hauptsache gesund!" Manche sagen das vielleicht nur, weil ihnen nichts anderes einfällt. Andere aber wünschen mir "vor allem Gesundheit", weil ich leider nicht immer bester Gesundheit bin. Und viele wissen aus eigener Erfahrung, wie es ist, krank zu sein. Weil sie am eigenen Leib oder in unmittelbarer Nähe erfahren haben, wie sehr eine Krankheit das Leben einschränkt. Wenn diese Menschen mir etwas Gutes wünschen, steht die Gesundheit ganz oben. Das ist verständlich.
Aber ist Gesundheit wirklich die Hauptsache im Leben? Kommt es zuerst und vor allem darauf an, dass wir gesund sind? Eva Leitinger, eine chronisch kranke Frau schreibt dazu:
"Hauptsache gesund!" - Wie sehr ich diesen Satz hasse! Wenn das die Hauptsache wäre, müsste ich den ganzen Tag Trübsal blasen und mein Leben hätte keinen Sinn - keine "Hauptsache" - mehr. Oder noch nie gehabt. Ich habe einen angeborenen Herzfehler, deswegen bisher sechs Operationen hinter mir und noch einige andere Krankheiten dazu bekommen. Da bleibt von Gesundheit als "Hauptsache" nicht viel übrig. Was die sechste Herzoperation hätte bedeuten können, war uns allen klar. Es gibt schließlich nicht viele Überlebende nach sechs Herzoperationen. Aber dass auch ich sterben könnte und jeder Augenblick ein besonderes Geschenk an mich ist, weiß ich eigentlich schon seit meiner Kindheit.
Nun ist es nicht so, dass ich nie Angst habe oder jammere, doch ist da in mir diese glucksende Lebensfreude und dieses wunderbare Genussgefühl, jeden Tag erleben zu dürfen.
Die Erwartungshaltung der Menschen an die Ärzte und an die Medizin lässt mich oft den Kopf schütteln. Manchmal glaube ich fast, in Deutschland darf man nicht mehr sterben, ohne mindestens einmal reanimiert zu werden. Behinderte Kinder zu bekommen, ist fast unanständig, denn sie sind ja nicht "Hauptsache gesund". Doch eigentlich empfinde ich mich mit meiner Behinderung als viel glücklicher und zufriedener als die meisten tatsächlich körperlich Gesunden. (Gesundheit - höchstes Gut?, S. 23)
Wenn aber nicht die Gesundheit für mich die Hauptsache ist, was ist es dann?
"Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil." (Psalm 73,26)
So betet jemand vor mehr als 2000 Jahren. Und so ist es auch bei mir: Gott ist die Hauptsache. Ihn zum Gegenüber zu haben, dass ich mit ihm im Gespräch sein kann - das ist für mich das Wichtigste. In guten und in schweren Zeiten. In Gesundheit und in Tagen der Krankheit.
Hauptsache gesund? Nein, Hauptsache geliebt und angenommen. Angenommen von Gott, der Ihnen und mir das Leben geschenkt hat. Mir vor 47 Jahren.
Sie sind von Gott geliebt. Das ist die Hauptsache! Dass Ihnen das zur Gewissheit wird, das wünsche ich Ihnen. Besonders wünsche ich das allen, die heute wie ich Geburtstag haben, den Gesunden und den Kranken. Ihr Lübbecker Pfarrer Reinhard Ellsel.
Xundheit!
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