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Auschwitz-Gedenktag
Heute ist Auschwitz-Gedenktag. Immer noch. Seit 67 Jahren erinnern Menschen bundesweit mit Gedenkveranstaltungen an die Befreiung
des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz . Am 27. Januar 1945 in den Nachmittagsstunden fanden Soldaten der vorrückenden Truppen der Sowjetunion im Lager 8.000 völlig erschöpfte und schwer kranke Gefangene vor. Nur wenige Tage vorher hatte der Chef der SS, Heinrich Himmler, den Befehl gegeben, das Lager zu räumen, die Häftlinge zu deportieren und die Gaskammern und Krematorien zu sprengen. Aber die Spuren konnten nicht mehr ganz verwischt werden. Die Befreier fanden neben den wenigen Überlebenden etwa 1,2 Millionen Männer- und Frauenkleider, Zehntausende Paar Schuhe und über sieben Tonnen menschliches Haar.
Heute ist Auschwitz-Gedenktag. Und je länger das Ereignis, dessen da gedacht wird, zurück-liegt, desto mehr und lauter werden die Stimmen, die meinen, nun sei es aber genug mit dem Erinnern. Irgendwann müsse doch mal ein Schlussstrich gezogen werden. Und die heute in Deutschland Lebenden könnten doch nichts dafür, was die letzte oder sogar schon vorletzte Generation da angerichtet und an Schuld auf sich geladen habe.
Dieser Einwand ist falsch, obwohl er einleuchtend klingt. Denn es geht gar nicht um persönliche Schuld. Die wurde und wird bis heute vor Gericht geklärt und bei den Tätern von damals mit Recht bis ins hohe Alter verfolgt. Es geht darum, nicht zu vergessen. Nicht zu vergessen, dass es im zwanzigsten Jahrhundert, in einer hochzivilisierten mitteleuropäischen Gesellschaft, unter kühl kalkuliertem Einsatz von Gesetzgebung und Polizeiapparat und mit effizient organisierten Transport- und Logistiksystemen möglich war, sechs Millionen Menschen von Staats wegen umzubringen.
Deshalb ist es gut, dass heute Auschwitz-Tag ist. Denn es steht dem Menschen, der Krone der Schöpfung, gut an, niemals zu vergessen, wie unendlich weit er sich von seinem Schöpfer und damit zugleich von sich selbst entfernen kann. So weit, dass es manchmal keinen Weg zurück mehr gibt. Denn zum Auschwitz-Gedenktag gehört auch die Erinnerung, dass damals ein Volk von 78 Millionen Menschen zusah und mitmachte, obwohl fast jeder wusste oder mindestens ahnte, was mit denen geschah, die zuerst diskriminiert, dann verschleppt und schließlich an der Rampe aussortiert wurden.
Es ist Deutschland und seiner Bevölkerung nicht gelungen, sich selbst vom Nationalsozialis-mus zu befreien. Sie wurden befreit von Russen und Amerikanern, Briten, Franzosen und vielen anderen, die selbst ungeheure Opfer an Menschenleben erlitten, bis endlich Schluss war. Dass wir, die Nachgeborenen, heute geachtete Mitglieder der internationalen Völkergemeinschaft sind und, abgesehen von ein paar unbelehrbaren Irren auf der Rechten wie der Linken, ein unverkrampftes Verhältnis zur jüdischen Weltreligion und zum Staat Israel haben können, ist ein wahres Wunder Gottes. Denn das haben wir uns ebenso wenig verdient wie wir umgekehrt heute eine Mitschuld am Geschehen von damals tragen würden. Sondern das ist einfach nur schön und erfreulich. Und auch deshalb hat es Sinn, heute Auschwitz-Gedenken zu halten.
Auschwitz-Gedenktag
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