Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.01.12; Pfarrer Reinhard Ellsel

Gesundheit in Gemeinschaft

Die Gesundheit ist ein hohes Gut, liebe Hörerin, lieber Hörer. Je älter ein Mensch wird, desto mehr treten bei ihm andere Lebensthemen wie Geld und Geltung in den

Hintergrund. In der Bibel heißt es (Jesus Sirach 30,15):

"Gesund und frisch sein ist besser als alles Gold, und ein gesunder Körper ist besser als großes Gut."

Gesundheit ist ein Segen von Gott. Das kann man in den Heilungsgeschichten der Bibel nachlesen. Jesus hat sich denen zugewandt, die damals am Rand der Gesellschaft standen.

Darunter viele Kranke. Blinde, Leprakranke, Lahme und Menschen, die unter psychischen Störungen litten. Jesus berührt sie, er heilt. Der Blinde kann wieder sehen und voll am Leben teilhaben. Der Leprakranke kann wieder in sein Dorf, zu seiner Familie zurück, weil er nicht mehr ansteckend ist. Der Geisteskranke kommt zur Ruhe und kann sein Leben neu in die Hand nehmen. Nun hat keiner mehr Angst vor ihm. Wo Jesus Menschen gesund macht, eröffnet er ihnen eine neue Gemeinschaft. Zur Gesundheit gehört, dass wir in Beziehung leben: zu unseren Mitmenschen und zu Gott - und auch zu uns selbst.

In diesem Geist schreibt Dr. Henning Scherf, früher regierender Bürgermeister von Bremen:

"Ich bin nun im 70. Lebensjahr. Da denke ich an die vielen alten Menschen, die sehr wohl merken, wie ihre Kräfte weniger werden, und die dennoch die verbleibenden Jahre annehmen und gestalten. Unter ihnen finde ich meine Vorbilder. Sie verbinden Lebenserfahrung, ja auch Lebensweisheit, mit der Einsicht, die nachlassenden Kräfte als verbleibende Chance zu schätzen.

Weil ich weiß, dass ich nicht mehr alles kann, und weil ich weiß, dass meine Lebenszeit beschränkt ist, wird jeder Tag zu einem Geschenk, das ich nutze so gut ich kann. Und es ist ein Segen, wenn ich dann Menschen finde, die diese Tage mit mir teilen, die mir beistehen, mich fühlen lassen, dass ich auch für sie ein Glücksfall bin. Aus dem Galaterbrief habe ich den Satz:  >Einer trage des andern Last< - dann wird auch das Leben gelingen." (Gesundheit - höchstes Gut?, S. 23)

Ich bin davon überzeugt, dass wir viel für die Gesundheit in unserem Umkreis beitragen können, wenn wir - wie Henning Scherf - davon weiter erzählen, was uns in gesundheitlichen Krisen geholfen hat.

Ich muss meine Krankheit oder gesundheitliche Schwäche nicht verstecken. Sie ist Teil von mir und ich bin ganz Teil der Gemeinschaft. Das soll nun nicht heißen, dass ich sozusagen in einen Wettbewerb mit anderen eintrete, wer es am Schwersten hat und wer darüber am lautesten klagen kann. Das berühmt-berüchtigte Wartezimmer-Spielchen ...

Ich meine vielmehr dieses: Ich brauche nicht den Starken zu spielen, sondern kann erzählen, welcher Arzt mir gut getan hat, oder was ich anstelle, um meinen Körper wieder zu kräftigen. Und dann werden auch andere von sich berichten - und ich erfahre, wie viele Möglichkeiten es gibt, trotz Einschränkungen einigermaßen zurecht zu kommen.
Und manchmal gibt`s beim Erzählen über die Gesundheit auch was zu lachen. Und Lachen, das ist ja bekanntlich gesund!

Guten Austausch mit Nachbarn, Verwandten und Freunden zum Thema Gesundheit wünscht Ihnen Pfarrer Reinhard Ellsel aus Lübbecke.

Quellenangabe: Gesundheit - höchstes Gut? Hrsg. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz u.a. Bonn 2008.

Audiobeitrag Gesundheit in Gemeinschaft


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