Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.01.12; Pfarrer Reinhard Ellsel

Sorge um die Gesundheit

Es gibt ein sehr effektives Medikament ohne schädliche Nebenwirkungen. Naturwissenschaftliche Forschungen zeigen, dass der Glaube an einen gütigen Gott positive

Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Demnach aktiviert der Glaube die Selbstheilungskräfte. Gläubige Menschen sind weniger anfällig für psychosomatische Erkrankungen, und führen ein gesünderes Leben als der Durchschnitt. Die empirischen Untersuchungen weisen aber auch darauf hin, dass es Formen des Glaubens gibt, die krank machen können. Der Glaube an einen strengen, strafenden Gott, führt leicht zu Ängsten, Depressionen und psychosomatischen Störungen. (Brigitte Fuchs in: UNSERE KIRCHE vom 4.7.2010, S. 12)

Ungesund ist auch eine überzogene Sorge um die Gesundheit. Schon der Philosoph Platon hat einmal gesagt:

"Die ständige Sorge um die Gesundheit ist auch eine Krankheit."
(Lütz, Seite 5)

Diese ängstliche Sorge um die Gesundheit wird in unserer Gesellschaft noch künstlich angeheizt. Denn mit ihr lässt sich viel Geld verdienen.
Schauen Sie sich nur einen einzigen Werbeblock im Fernsehen an.
Wenn die relevanten Werbe-Zielgrupppen vor den Bildschirmen vermutet werden, wird geworben für Pillen und Cremes, Freizeit- und Wellnessangebote, für Fitness und Lebensfreude bis ins hohe Alter.
Die Sorge um die eigene Gesundheit scheint heute ähnlich stark ausgeprägt zu sein wie in früheren Jahrhunderten die Sorge um das Seelenheil.
Dr. Manfred Lütz, Facharzt für Psychiatrie und Theologe, merkt kritisch an:

"Der früheren Hoffnung auf die Erlösung über den Tod hinaus entspricht heute die Hoffnung auf die Erhaltung der Gesundheit und Heilung von Krankheiten." (Lütz, S. 12)

Und so werden manche Ärzte zu "Halbgöttern in Weiß".  Es gibt sozusagen "Wallfahrten" zum Spezialisten. Krankenhäuser werden geradezu zu "Kathedralen" unserer Zeit, von denen man sich das Heil erhofft. Wo aber Gesundheit religiös aufgeladen und zur alles bestimmenden Größe im Leben wird, da droht Gefahr für die Menschenwürde.

"Hauptsache gesund!?": Mich beunruhigt es, wenn nur der Gesunde und Leistungsstarke in unserer Gesellschaft akzeptiert wird. Mich bringt es auf die Palme, wenn Kranke, Behinderte und Gebrechliche sich für ihr Leben rechtfertigen müssen. Denken Sie an Äußerungen wie: "Operationen bei über 70-Jährigen lohnen sich doch nicht mehr".
Oder schlimmer: "Es ist doch heutzutage nicht mehr nötig, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen".

Ein solcher Gesundheitsbegriff bereitet mir Sorgen. Er ist ohne Seele, er ist unmenschlich.

Ich selbst war als kleines Kind sehr krank. Aufgrund meiner Asthma-Krankheit habe ich immer wieder Tage und Wochen in einem Zustand zugebracht, den viele beschrieben haben mit: "Zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben!" Aber gerade in diesen schweren Zeiten habe ich zu Gott ein Urvertrauen gewonnen, das mich auch heute noch trägt und mein Leben bestimmt.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrer Reinhard Ellsel aus Lübbecke.

Quellenangabe:

Brigitte Fuchs, Artikel: "Positive Auswirkung auf das Leben" in: UNSERE KIRCHE vom 4.7.2010, S. 12.

Manfred Lütz, Lebenslust, Wider die Diät-Sadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult, Taschenbuchausgabe München 2007.

Audiobeitrag Sorge um die Gesundheit


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