Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.01.12; Pfarrer Reinhard Ellsel

Hauptsache gesund!

"Hauptsache gesund!", höre ich oft, wenn ich jemandem noch ein gutes Jahr wünsche in diesen letzten Januartagen. Die Gesundheit ist ein hohes Gut.

Je älter ein Mensch wird, desto wichtiger wird sie für ihn und umso stärker treten andere Lebensthemen wie Geld und Geltung in den Hintergrund. Je älter ein Mensch wird, desto eher hat er die Erfahrung gemacht: Gesundheit ist ein Segen. Ein Segen von Gott. Beides - Segen und Gesundheit - wird oft im gleichen Atemzug genannt: "Ich wünsche dir Gesundheit und Gottes Segen!" - So gratulieren wir einander zum Geburtstag. Ein Sprichwort sagt: "Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts." Da braucht es nur Zahnschmerzen und schon weiß man, was mit dem Sprichwort gemeint ist. Alle Energie und Lebensfreude sind gelähmt. Ich gehe buchstäblich auf dem Zahnfleisch. Wie sagt man doch so schön: "Die beste Krankheit ist nichts wert, wenn man nicht gesund ist."

Aber was meinen wir eigentlich, wenn wir sagen "Hauptsache gesund!"? Und was hat der christliche Glaube mit Gesundheit zu tun? Darüber möchte ich mit Ihnen in dieser Woche nachdenken.

Zunächst bin ich dankbar. Wir haben eine gute Gesundheitsversorgung in unserem Land. In Deutschland stellen mehrere hunderttausend Ärzte und Pflegekräfte, mehr als 2.000 Kliniken und 20.000 Apotheken unsere Gesundheitsversorgung sicher. Wir Deutschen lassen uns die gute Versorgung jährlich mehr als 200 Milliarden Euro kosten. Das ist ein hohes Niveau - gerade mit Blick auf die weltweite Situation.

Eine gesicherte Gesundheitsversorgung ist eine Kulturleistung, die Anerkennung verdient. Sie entspringt auch dem christlichen Glauben. Denn die Sorge um Kranke und Hilfsbedürftige gehört zum Kernauftrag von Jesus. Und so brachten die Missionare nicht nur das Evangelium in die Länder der Erde, sondern immer auch Medizin und Gesundheitsvorsorge.

Es gibt unterschiedliche Weisen, den Begriff "Gesundheit" zu bestimmen. In der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heißt es:

"Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen." (Gesundheit - höchstes Gut?, S. 12)

In diesen Worten wird deutlich, dass Gesundheit nicht nur körperlich, sondern umfassend zu verstehen ist.

Allerdings: Welcher Mensch lebt in einem "Zustand vollkommenen Wohlbefindens"? Zum Leben gehört es nun einmal unabdingbar mit dazu, dass sich kleinere oder größere Gebrechen und Krankheiten einstellen. Realistischer ist da wohl die Beschreibung des Philosophen Friedrich Nietzsche:

"Gesundheit ist dasjenige Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen." (Gesundheit - höchstes Gut?, S. 12)

In einem Gemeindekreis haben wir uns ebenfalls dazu Gedanken gemacht, was Gesundheit für uns bedeutet.

"Gesundheit ist wichtig, aber nicht das Wichtigste. Sterben müssen wir alle. Was nützt mir dann die Gesundheit? Wichtiger ist meine Beziehung zu Gott, mein Glaube."

Eine andere Meinung:

"Soll ich etwa kranken Menschen `Hauptsache gesund!´ wünschen? Durch Krankheit bekommt man oft eine andere Sichtweise, kann in sich hinein hören. Man wird dankbar für sein Leben."

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen Pfarrer Reinhard Ellsel aus Lübbecke.

Quellenangabe: Gesundheit - höchstes Gut? Hrsg. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz u.a. Bonn 2008.

Audiobeitrag Hauptsache gesund!


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