Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.01.12; Maike Siebold

Galgenhumor

Der Gouverneur von Virginia lehnte das Gnadengesuch des wegen Mordes zum Tode verurteilte Christopher Emmett ab. Bevor das Urteil vollstreckt wurde sagte Emmett:

„Richtet dem Gouverneur aus, dass er gerade meine Stimme verloren hat.“ „Tell the governor he just lost my vote.“

Nicht jedem liegt dieser Galgenhumor und längst nicht jeder kann darüber lachen. Wer aber Galgenhumor besitzt, schafft es in einer bedrohlichen oder sogar ausweglosen Situation, ein komisches Element zu entdecken und damit seine Lage erträglicher zu machen. Er bekommt Distanz zu sich selbst und auch zu der Situation.

Sogar im  im Konzentrationslager Dachau  wurden Witze gemacht. Viktor. Frankl war in Dachau inhaftiert und hat über  den Lagerhumor geschrieben: : „Dieser Humor ist eine Waffe der Seele im Kampf um ihre Selbsterhaltung“. Frankl erkannte, dass der Humor eine grundsätzliche Haltung sich selbst und dem Leben gegenüber ist.

Auf jeden Fall ist Humor  EINE wirkungsvolle Methode, dem Leiden etwas von seiner Kraft zu nehmen.  Man erspart sich und den anderen die Reaktion, zu denen die Situation eigentlich Anlass gäbe. Die Medizin ist voller Begeisterung, wenn es um die körperliche Auswirkung von Humor geht. Lachen hilft das innere Gleichgewicht wieder herzustellen, unterstützt den Heilungsprozess, lindert den Schmerz und ist eine Quelle der Lebenskraft.

Und Lachen wirkt sogar in zwei Richtungen. Es breitet sich als Gefühl nicht nur von innen nach außen aus, sondern es funktioniert auch umgekehrt. Wenn wir ein Lächeln simulieren, in dem wir die Mundwinkel nach oben ziehen, melden wir unserem Gehirn, dass wir gut drauf sind und das Gehirn glaubt das und sendet ein Glücksgefühl zurück. Versuchen Sie es!

Wir lachen alle gerne, selbst die, die mit Witzen wenig anfangen können. Der klassische Witz bedient mehr unseren Kopf, unser Denken. Humorvoll sein, betrifft aber den ganzen Menschen. Da spielen Geist, Körper und  Seele zusammen. Und diese besondere Gottesgabe zeigt ihre Größe vor allem in ernsthaften Krisen. Sie äußert sich fast immer als Reaktion auf ein Leid und ist ohne Leid überhaupt nicht denkbar. Dies zeigen auch die vielen politischen Witze. Wer lacht denkt nicht, auf jeden Fall nicht in diesem Augenblick und befreit sich von dem Druck der auf ihm lastet. Man bekommt einen anderen Blickwinkel.

Der Jesuiten-Pater Alfred Delp, wurde von den Nazis umgebracht. Auf dem Gang zur Hinrichtung machte er in der besten Tradition der christlichen Märtyrer einen Scherz: Er fragte den ihn begleitenden Pfarrer nach den letzten Neuigkeiten von der Front. Der teilte sein Wissen mit  dem zum Tode Verurteilten, worauf dieser antwortete: "In einer halben Stunde weiß ich mehr als Sie". Der Glaube des Jesuiten-Paters, sein unerschütterliches Vertrauen in Gott machten diesen Witz möglich. Er nahm zumindest für einen Augenblick dem Tod die Dramatik. Der Scherz kam ihm über die Lippen, weil er davon ausging, dass Gott über den Tod siegt. Wer Gott auf seiner Seite weiß, hat sogar angesichts des Todes noch etwas zu lachen.

Audiobeitrag Galgenhumor


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