| |
Unterschiedlich normal
O-Ton: Es ist normal, dass wir alle unterschiedlich sind. Autor: Sagt Melanie Palm, Jugendleiterin im Campanushaus, einem Kinder- und Jugend-zentrum der
Evangelischen Kirche in Wassenberg.
O-Ton: Ich komm gerne hier hin, weil es hier schön ist, weil man hier spielen kann und ich meine Freunde treffen kann.
Autor: Meint Alena. Sie ist acht und kommt schon seit zwei Jahren ins Zentrum. Neben ihr sitzt Mustafa.
O-Ton: Mir gefällts hier super. Es macht hier Spaß. Wir spielen hier gerne, kommen fast jeden Öffnungstag hier hin.
Autor: Es ist normal, dass alle unterschiedlich sind, aber es ist schon etwas Besonderes, dass so unterschiedliche Kinder das Zentrum besuchen.
O-Ton: Also ins Campanushaus kommen verschiedene Kinder, Kinder aus sozialen Brennpunkten, Kinder mit Behinderungen verschiedener Art und Kinder aus starken Familien. Es sind muslimische Kinder, russische Kinder und halt auch deutsche Kinder verschiedene halt, aus verschiedenen Kulturen.
Autor: So Ilona Tillmann, die hier als sogenannte Teamerin mitarbeitet. Fachleute nennen das Inklusion. Das ist mehr als bloß Integration. Es geht nicht darum, eine Minderheit in die Mehrheit einzubinden, sondern viele verschiedene Kinder miteinander in Kontakt zu bringen, damit sie ein echtes Miteinander erleben. Im Campanushaus scheint das zu gelingen.
O-Ton: Es werden auf jeden Fall gegenseitige Vorurteile abgebaut, Barrieren abgebaut, die Kinder lernen auf Schwächere Rücksicht zu nehmen, sich auf Andersartigkeit einzulassen oder diese auch gar nicht mehr so wahrzunehmen irgendwann. Dass man auch mit Kindern Spaß haben kann oder Freundschaften pflegen kann, mit denen man vielleicht erst mal das nicht so von sich aus gewählt hätte.
Autor: Und woran merkt man, wenn das Miteinander gelingt?
O-Ton: Man sieht das an deren Gesichtern. Viele haben dieses Strahlen im Gesicht, wenn sie sehen, dass man sich richtig um sie kümmert oder sie auch mit anderen Kindern zusammen spielen können.
Autor: So Dana Indorf, die eine Zeit lang als Praktikantin im Zentrum mitgearbeitet hat.
O-Ton: Es gibt so viele Alltagssituationen, also wo zum Beispiel ein lernbehindertes Mädchen am Schlagzeug super spielt oder am Klavier und von den gesunden Kindern eine Aufwertung erfährt.
Autor: Die staunen dann nämlich, wie toll sie spielt. In andern Räumen wird gebastelt und gemalt, in der Disco wird getanzt und auch im PC-Raum sind die Plätze begehrt. Wenn der Tag sich dem Ende nähert, haben manche Kinder in der Küche etwas gekocht oder gebacken. Auch beim Imbiss wird darauf geachtet, dass alle beteiligt sind.
O-Ton: Manchmal essen sie hier Schweinefleisch und dann machen die manchmal sogar extra für Muslime oder Türken, die kein Schweinefleisch essen, machen die dann extra Geflügel oder wenns auch nichts gibt, dann machen die Käse oder so. Dass wir dann auch was zu essen haben.
Autor: So freut sich Mustafa und mit ihm alle anderen.
O-Ton: Dieses gemeinsame Essen ist auch ein Gemeinschaftsgefühl und vielleicht kennen die das auch nicht von zuhause und der Umgang mit den verschiedenen Kulturen und mit Behinderungen, das lernen die Kinder auch. Wie muss ich mit diesem Kind umgehen, wie muss ich mit dem andern Kind umgehen? Ja, und das klappt sehr gut hier.
O-Ton: Das ist auch kein Problem einfach, das wird so gelebt, dass unterschiedliche Kulturen auch das Haus besuchen.
Autor: Es ist normal, dass wir alle unterschiedlich sind. Ich glaube, so stellt Gott sich die Welt vor. Als eine Gemeinschaft der Verschiedenen. Oft muss man dafür arbeiten. In den Kinder-und Jugendzentren unserer Kirche wird etwas dafür getan. Nichts davon ist selbstverständlich. Aber wo es gelingt, verändert es die Welt.
Unterschiedlich normal
|