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Der du die Zeit in Händen hast (eg 64)
Autor: (mit Atmo) In wenigen Stunden ist es wieder soweit: Raketen, Feuerwerk, Glockenläuten. Das neue Jahr drängt sich ins Leben,
begleitet von weltlichem und geistlichem Lärm ganz so als könne es all die Hoffnungen erfüllen, die wir in es setzen.
In wenigen Stunden ist es wieder soweit: Raketen, Feuerwerk, Glockenläuten. Das alte Jahr stirbt dahin, begleitet von weltlichem und geistlichem Lärm ganz so als wäre man froh, dass es endlich vorbei ist.
Sprecherin: Es starb das Jahr in meinen Armen. Und still verhauchend wars genug. Es zog sich wund am Menschenpflug. Und mit verlöschendem Erbarmen Griff es hinaus in seine Träume, Die nie erfüllt doch immer lebten Und ihre eignen Träume webten In eines Jeden Schicksalssäume.
Es starb das Jahr in meinen Armen Gehorchend nur dem Ruf Des, der es schuf. Und kannte kein Erbarmen Mit sich. Und gab zurück, Was es gewonnen und geschenkt. Und tief ins Sterben eingesenkt Versprachs mir neues Glück. (Gerd Höft, 2010)
Musik 1: Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen. Nun von dir selbst in Jesus Christ die Mitte fest gewiesen ist, führ uns dem Ziel entgegen.
Autor: Es ist Silvester oder Altjahrsabend. Auf jeden Fall der letzte Tag des Jahres. Der Blick richtet sich zurück, vielleicht nach innen. Erst ab Mitternacht, wenn die Feuerwerkskörper in den Himmel schießen und die Glocken läuten, wird das neue Jahr sein Recht fordern und uns fordern. Aber noch ist Altjahr. Und da geht es um Abschiede.
Das ablaufende Jahr hat wiederum unseren Lebensrucksack gefüllt. Wie leben noch immerhin. Wir sind reicher an Erfahrungen, schlechten wie guten. Nun stellen wir unseren Rucksack ab. Stellen ihn Gott vor die Füße. Hier, mein Gott, hier ist mein Jahr. Ich habe es aus deiner Hand. Nun sieh, was du und ich daraus gemacht haben.
Sprecherin: Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen.
Autor: Wir haben manches begonnen in diesem Jahr, gewollt oder auch ungewollt. Manches zu Ende gebracht oder offen gelassen. Wir haben geheiratet oder sind geschieden worden. Kinder und Enkel wurden geboren. Verwandte und Freunde sind gestorben. Eine Freundschaft ist zerbrochen. Eine neue Arbeit wurde gefunden, eine Krankheit überstanden. Wir haben gelitten und Schmerzen besiegt. Unser Lebensentwurf ist noch nicht zu Ende. Aber wir wissen auch um seine Endlichkeit.
Musik 2: Denn alles, was der Mensch beginnt, vor seinen Augen noch zerrinnt, sei du selbst der Vollender. Die Jahre, die du uns geschenkt, wenn deine Güte uns nicht lenkt, veralten wie Gewänder. Der Mensch ahnt nichts von seiner Frist. Du aber bleibest, der du bist, in Jahren ohne Ende. Wir fahren hin durch deinen Zorn und doch strömt deiner Gnade Born in unsre leeren Hände.
Autor: Selbstverständlich kann jeder sein Leben wie auch das vergangene Jahr so betrachten: Mehr oder weniger zufällig reiht sich ein Ereignis an das andere. In Grenzen ist jeder seines Glückes Schmied, aber es gibt auch Dinge und Ereignisse, die wir nicht in der Hand haben, nicht in die Hand bekommen. Am Schluss stehen wir dann am Altjahrsabend unseres Lebens und wir wissen: das wars dann. Es wird keinen ersten Januar mehr für uns geben. Insofern ist jeder Altjahrsabend, den wir begehen, - auch der heutige- immer auch ein kleiner Vorblick auf unseren letzten Altjahrsabend. Soll uns das nun erschrecken und jedes Jahr mit Furcht und Zittern erfüllen? Ach wo! Ich glaube, und mit mir tun das alle Christen: wie auch immer unsere Jahre verlaufen sind und wie viele es auch immer sein mögen, sie kommen aus Gottes Hand und sie sind kein vergiftetes Geschenk. Gott will, das wir unsere Jahre nutzen, etwas Gutes, Sinnvolles, ja Schönes daraus machen. Und er stattet unser Leben mit allem aus, was dazu nötig ist. Das das aber häufiger nicht klappt, das ist nicht Gottes Schuld, sondern unserer Unzulänglichkeit geschuldet, die mit den Jahresgeschenken Gottes nicht immer gut und vernünftig umgehen.
Sprecherin: Da alles, was der Mensch beginnt, vor seinen Augen noch zerrinnt, sei du selbst der Vollender.
Autor: Man kann Gottes Blick auf unser Leben auch pessimistischer sehen. Wie Jochen Klepper.
Sprecherin: Jochen Klepper ist der Verfasser des Choraltextes. Er ist Theologe, aber kein Pfarrer, sondern Journalist und Schriftsteller. 1931 heiratet er eine Jüdin. Sie bringt zwei Töchter mit in die Ehe. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933verliert Klepper seine Anstellung beim Berliner Rundfunk und erhält später auch ein generelles Berufsverbot. Die Bedrängung der jüdischen Mitbürger nimmt immer entsetzlichere Formen an. Eine Stieftochter kann kurz vor Ausbruch des zweien Weltkrieges noch ausreisen. Dem Rest der Familie gelingt das nicht mehr. Als dann der Reichsinnenminister 1942 die Zwangsscheidung für alle Ehen mit jüdischem Partner ankündigt, gehen Jochen Klepper, seine Frau und seine zweite Stieftochter im Dezember desselben Jahres freiwillig in den Tod. Das Gedicht Der du die Zeit in Händen hast schreibt er 1938 schon ganz unter dem Eindruck der Anfechtung und Bedrängnis.
Musik 1: Wer ist hier, der vor dir besteht? Der Mensch, sein Tag, sein Werk vergeht: nur du allein wirst bleiben. Nur Gottes Jahr währt für und für, drum kehre jeden Tag zu dir, weil wir im Winde treiben. Sprecherin (overvoice): Wer ist hier, der vor dir besteht? Der Mensch, sein Tag, sein Werk vergeht: nur du allein wirst bleiben. Nur Gottes Jahr währt für und für, drum kehre jeden Tag zu dir, weil wir im Winde treiben.
Musik 3.1: The Lord bless you and keep you
Autor: Anfechtung und Bedrängnis werden wir im ablaufenden Jahr erfahren haben und sie werden uns auch 2012 nicht erspart bleiben. Aber wir hoffen. Wenn wir in einem Jahr wieder am Altjahrsabend innehalten, wird sich unsere Lebensbilanz wieder verändert haben. Beten wir, dass sich Gewinn und Verlust nicht nur die Waage halten, sondern sich die Schale mit der Gewinnausschüttung deutlich zu unseren Gunsten geneigt hat. Vergänglichkeit hat auch etwas Gutes: Alles, was uns im kommenden Jahr misslingen wird, wird wie das Misslungene des vergangenen Jahres Gottes gnädigem Vergessen anheimfallen.
Sprecherin: Der du allein der Ewge heißt und Anfang, Ziel und Mitte weißt im Fluge unsrer Zeiten: bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten.
Musik 3.2: John Rutter: Amen
Musikinformationen: Musik 1: WDR-Eigenproduktion Text: Jochen Klepper Melodie: Siegfried Reda Satz: Karl Marx Kammerchor des St. Gregorius-Hauses, Aachen Dirigent: Roth, Hans-Josef
Musik 2: CD: Unser Klagen wird zum Loben Text: Jochen Klepper Melodie: geistlich Nürnberg 15334 Vokalensemble Sennestadt Leitung: Schenk, Dorothea Luther Verlag Bielefeld Musik 3: CD: Gloria,The Sacred Music of John Rutter Track 17 The Lord bless you and keep you Text: Die Bibel Melodie/Komponist: John Rutter The Cambridge Singers Leitung: John Rutter
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