Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.12.11; Pfarrer Albrecht Philipps

Heute

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Das meint: Was ich heute machen kann, sollte ich auch anpacken,

denn wer weiß schon, was morgen ist. Ob wir morgen noch die Möglichkeit haben, es zu tun. Ob wir morgen nicht bereuen, es heute nicht getan zu haben, weil die Chance verstrichen ist. Ob nicht morgen schon wieder anderes im Vordergrund steht. Lass’ also keine Gelegenheit nutzlos verstreichen, die sich dir heute bietet, sage ich mir dann. Carpe diem, nutze den Tag!

Was du heute kannst besorgen… dieses Sprichwort hat einen wahren Kern. Aber oft brauche ich Zeit. Wenn wichtige Dinge entschieden werden müssen zum Beispiel. Dann will ich nicht voreilig handeln. Lieber mal drüber schlafen. Also: aus gutem Grund auf morgen verschieben. Da einen guten Mittelweg zu finden, ist gar nicht so einfach.

Carpe diem! Mach heute was aus deinem Tag. Warum ist das für uns so wichtig? Weil wir nur heute etwas tun können. Das Gestern ist vorbei und abgeschlossen, da kann man nichts mehr tun. Das Morgen ist noch nicht da und keiner weiß genau, was kommen wird.

Das Wort „heute“ wird in der Bibel gebraucht, um die Bedeutung für das Hier und Jetzt zu betonen. In der Weihnachtsgeschichte sagen die Engel den Hirten: „Euch ist heute der Heiland geboren.“ Heute gilt das, nicht morgen irgendwann und auch nicht gestern. Und als Jesus am Kreuz stirbt, sagt er einem, der mit ihm gekreuzigt wird: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Nicht an einem fernen Tag, sondern heute. Das Wort „heute“ in der Erzählung über das Leben Jesu ist ganz bewusst an den Anfang und an das Ende seines Lebens gesetzt, damit wir das „Heute“ nicht verpassen.

So wie die alte Frau, von der eine russische Legende erzählt. Sie will gerade ins Bett am warmen Ofen gehen, als es heftig an der Tür klopft. Sie hört einfach nicht drauf. Aber das Klopfen wird lauter und dringlicher. Schließlich öffnet sie die Tür einen Spalt breit. Draußen stehen Hirten mit roten Gesichtern und Schnee in den Haaren. Sie berichten der alten Frau von einem schönen Kind, das eben in einem armen Stall geboren worden sei. „Komm, Babuschka“, betteln sie, „du kannst doch mit Kindern umgehen.“ Die Babuschka schüttelt den Kopf. Zu warm ist die Stube und zu kalt ist die Nacht. Zu wohlig ist das Bett, zu eisig der Wind. „Morgen“, sagt die Frau, „morgen will ich kommen und nach dem Kind sehen!“ Die Hirten ziehen wieder ab. Doch bald klopfen sie noch mal an die Tür und bitten die Frau um einen Korb mit etwas Brot und Wasser. Sie wollen es selbst zu den Leuten im Stall bringen. „Morgen“, sagt die Frau, „morgen will ich den Leuten etwas bringen.“ Am nächsten Tag packt die Frau einen Korb mit Essen und kleinen Geschenken. Aber als sie ankommt, ist niemand mehr im Stall. Die Leute sind weg und der Stall ist leer.

Dass Sie die Chancen nutzen, die dieser Tag Ihnen schenkt! Das wünscht Ihnen Pfarrer Albrecht Philipps aus Ochtrup.

Audiobeitrag Heute


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen