Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

27.12.11; Pfarrer Albrecht Philipps

Josef

Liebe Hörerinnen und Hörer, ich möchte Ihnen kurz jemanden vorstellen, der sich sicher freut, wenn er auch mal im Radio genannt wird.

Er heißt Josef, er ist Zimmermann aus Nazareth und der Vater von Jesus, also eher der Pflegevater, Sie wissen schon, der Mann von Maria. Zur Volkszählung ist er ist extra nach Bethlehem, in die Stadt Davids gereist, weil er ein Nachkomme des berühmten Königs David ist. Aus dem Geschlecht Davids sollte nach dem Glauben der Juden der Messias kommen. Nachdem Josef mit Maria in Bethlehem angekommen ist, kommt ihr erstes Kind zur Welt. Sie nennen es Jesus.

Diese weihnachtliche Familienszene wird in der Kunst meist so aufgenommen: Da steht Josef in einer Ecke. Er hält die Laterne, damit es etwas Licht im Stall gibt und damit man die Geschenke erkennen kann, die die heiligen drei Könige dem Neugeborenen bringen. Oder er sitzt grübelnd im Bildhintergrund an einen Stab gestützt und schaut zu. Was da alles geschehen ist! Auf anderen Bildern führt er einen Esel, auf dem Maria sitzt und geht gebückt voran. Meistens sieht er erstaunlich alt aus mit seinem langen Bart, dieser Josef, vielleicht ein bisschen zu alt für die junge Maria. Sie steht im Mittelpunkt, sie ist die Mutter von Jesus. Er aber bleibt eine Randfigur. Er spielt eine Nebenrolle in dieser schönen Geschichte von Weihnachten.

Schon als Kind habe ich nie die Rolle des Josef in einem Krippenspiel übernehmen wollen. Da war eine Hirtenrolle schon beliebter. Josef, der muss an die Türen der Gasthäuser in Bethlehem klopfen und erhält eine Abfuhr nach der anderen. „Bei uns ist kein Platz für euch!“, heißt es dann. „Geht woanders hin!“ So weggeschickt werden, wer möchte das schon?!

Als Zimmermann hätte er seiner jungen Familie sicher leicht ein ganzes Haus bauen können. Stattdessen wird das Kind in einem Stall, einer Höhle mit Stroh auf dem Boden und einer Krippe geboren. Kalt ist es und zugig. Wenig romantisch. Josef kann schwere Holzbalken tragen und bearbeiten, er kann berechnen, wie ein Haus errichtet werden muss und kann mit Werkzeugen gut umgehen. Alle diese Fähigkeiten scheinen hier nicht gefragt zu sein. Er steht dabei und staunt. Die Geburt und die Besuche der Hirten und Weisen aus dem Morgenland, all’ das überfordert ihn offensichtlich. Josef ist mit dem, was er kann, nicht angesagt, so scheint es jedenfalls auf den ersten Blick zu sein.

Aber er bekommt doch noch einen wichtigen Auftrag. Als die Hirten und die Weisen sich verabschiedet haben und alles ruhiger wird, da erscheint ihm ein Engel im Traum. Dieser Engel warnt Josef und seine Familie vor einem schrecklichen Verbrechen, das der König Herodes begehen wird. Herodes lässt alle neugeborenen Kinder töten, weil er unter ihnen den neuen König vermutet, der ihm den Thron streitig machen könnte. Um diesem Kindermord in Bethlehem zu entgehen, warnt der Engel Josef und sagt: „Steh auf! Flieh’ nach Ägypten und bleib dort, bis die Gefahr vorüber ist.“ So rettet er das junge Leben von Jesus, das vom ersten Augenblick an gefährdet war.

Josef gehört in diese Weihnachtsgeschichte, er ist ein Teil von ihr. Nebenrolle oder Hauptrolle, darauf kommt es nicht an. Ohne ihn wäre die Geschichte anders verlaufen. Gott hat gewollt, dass er in seiner Rolle eine wichtige Aufgabe übernimmt. Vielleicht konnte er mit seiner Nebenrolle alles viel besser beobachten, genauer hinhören und so verstehen, worauf es wirklich ankommt.

Ein waches Ohr und ein gutes Auge für das, was heute wirklich wichtig ist, wünscht Ihnen Pfarrer Albrecht Philipps aus Ochtrup.

Audiobeitrag Josef


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