Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.12.11; Präses Nikolaus Schneider

„Die Erde ist des Herrn“ (eg 677)

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, der unauflösliche Zusammenhang von Gottes Handeln und Gottes Erwartungen an uns Menschen erklingt heute Morgen als Lied.

Das Lied soll uns in den Tag geleiten. Zum Kirchentag 1985 dichtete der Pfarrer Jochen Rieß den Text dieses Liedes, das den Anfang des 24. Psalms aufnimmt:

Sprecherin: „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.“

Musik: 1. Die Erde ist des Herrn. Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben. Drum sei zum Dienst bereit, gestundet ist die Zeit, die uns gegeben.
Sprecherin (overvoice): Die Erde ist des Herrn. Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben. Drum sei zum Dienst bereit, gestundet ist die Zeit, die uns gegeben.

Autor: „Ich glaube an Gott, …, den Schöpfer des Himmels und der Erde“ -, so heißt es in dem apostolischen Glaubensbekenntnis. Im sonntäglichen Gottesdienst werden das viele von uns mitsprechen und mitbekennen. Unser biblischer Schöpfungsglaube bezeugt: der eine und ewige Gott hat durch sein Wort die Welt und unsere Erde erschaffen.

„Gott sprach: Es werde … Und es wurde …“, so heißt es in der Genesis, dem ersten Buch der Heiligen Schrift. Gottes gesprochenes Wort rief unsere irdische Wirklichkeit ins Sein, alle unbelebte und belebte Materie, auch uns Menschen. Die Schöpfung des Menschen wird in das Schöpfungshandeln Gottes eingereiht und gleichzeitig herausgehoben: Gott schafft den Menschen wie zuvor alle Tiere. Aber allein zu und mit dem Menschen sucht und stiftet Gott eine vertrauensvolle Beziehung.

Die Erde gehört Gott, aber Gott hat sie den Menschen überantwortet. Wir Menschen sind befähigt und beauftragt, Gottes Erde zu bebauen und sie für unsere Nachkommen zu bewahren. Unser Schöpfungsglaube und unser Bekenntnis „Die Erde ist des Herrn“ wollen keine von unserem Alltagsleben losgelöste Theorien der Weltentstehung behaupten. Sondern sie wollen jeden und jede von uns in die Verantwortung rufen: „Drum sei zum Dienst bereit! Gebrauche deine Kraft!“

Musik:  2. Gebrauche deine Kraft. Denn wer was Neues schafft, der lässt uns hoffen.
Vertraue auf den Geist, der in die Zukunft weist. Gott hält sie offen.
Sprecherin (overvoice): Gebrauche deine Kraft. Denn wer was Neues schafft, der lässt uns hoffen. Vertraue auf den Geist, der in die Zukunft weist. Gott hält sie offen.

Autor: Wir dürfen unser Vertrauen auf die Schöpfungsmacht Gottes nicht dazu missbrauchen, unsere eigene Ohnmacht zu pflegen und unsere Hände in den Schoß zu legen angesichts all der Krisen und Katastrophen, die unsere Erde bedrohen. „’Da kann man nichts machen’ das ist ein gottloser Satz.“, das hat uns die Theologin Dorothee Sölle in unsere Herzen geschrieben. Zu glauben und zu denken, wir könnten uns und unsere Lebensverhältnisse nicht ändern, wir könnten nicht umkehren, nicht Neues wagen und schaffen, das heißt doch: Wir schneiden uns selber ab von unserer Beziehung zu Gott und von der Gegenwart und Kraft des Heiligen Geistes.

Sprecherin: „Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen“,

Autor: Gottes Geist will und kann uns die Gewissheit einer offenen Zukunft erhalten,
- auch wenn Wetterextreme  und Klimakatastrophen die Menschheit bedrohen,
- auch wenn Mächtige nach dem Motto leben: “Nach mir die Sintflut“,
- auch wenn die einen an Übergewicht und Hunderttausende an Hunger
  sterben.

Mit der Gewissheit „in Jesus Christus ist und bleibt die Zukunft für uns offen“ ermutigt und inspiriert der Geist Gottes unser Reden und Handeln. Deshalb können auch wir Lebenstüren für unsere Erde, für unsere Mitgeschöpfe und für unsere Mitmenschen öffnen. Wir müssen uns nicht in dem Schneckenhaus unserer angeblichen Ohnmacht verkriechen. Wir können die Probleme angehen und auf unsere Mitmenschen zugehen.

Musik:  3. Geh auf den andern zu. Zum Ich gehört ein Du, um Wir zu sagen. Leg deine Rüstung ab. Weil Gott uns Frieden gab, kannst du ihn wagen.
Sprecherin (overvoice): Geh auf den andern zu. Zum Ich gehört ein Du, um Wir zu sagen. Leg deine Rüstung ab. Weil Gott uns Frieden gab, kannst du ihn wagen.

Autor: „Wenn einer alleine träumt, dann ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, dann ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“ Diese Sätze stammen von  Dom Helder Camara, dem ehemaligen brasilianischen Erzbischof und profilierten Vertreter der Befreiungstheologie. Sie ermutigen uns Menschen, aufeinander zuzugehen, Visionen und Träume miteinander zu teilen, unsere Masken, unsere Vorbehalte und unsere Rüstungen abzulegen, ein Vergebung und Vertrauen zu wagen. Gottes Kinder heißen wir, so sagt Jesus Christus es uns in seinen Seligpreisungen zu, wenn wir auf dieser Erde mit sanftem Mut und mit Geduld nach gerechtem Frieden suchen ( vgl. Matt 5,9 ).

Der Friede, den Gott uns in Jesus Christus geschenkt hat und täglich neu schenkt, ist auf dieser Erde nicht „in-Eins-zu-setzen“ mit einem politisch-weltlichen Frieden. Vollkommener und umfassender Friede ist uns erst in Gottes neuem Himmel und neuer Erde verheißen. Dennoch können und dürfen wir Gottes Frieden auf dieser Erde nicht allein auf den inneren Herzensfrieden von Einzelnen reduzieren. „Weil Gott uns Frieden gab“ können wir friedlose Verhältnisse ändern, können wir Spuren legen auf das hin, was uns verheißen ist. Wir können Schritte des Friedens und der Gerechtigkeit ermöglichen und beschreiten. Und wir müssen nicht die Geduld verlieren, wenn wir vorläufig scheitern.

Musik: 4. Verlier nicht die Geduld. Inmitten aller Schuld ist Gott am Werke. Denn der in Jesus Christ ein Mensch geworden ist, bleibt unsere Stärke.
Sprecherin (overvoice): Verlier nicht die Geduld. Inmitten aller Schuld ist Gott am Werke. Denn der in Jesus Christ ein Mensch geworden ist, bleibt unsere Stärke.

Autor: In einer Woche, liebe Hörerinnen und Hörer, feiern wir Weihnachten, feiern wir das Fest der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Weihnachten, das heißt: Gott wurde Mensch für uns Menschen in dem Menschen Jesus von Nazareth. Gott hat sich selbst in Jesus Christus untrennbar mit seiner Erde verbunden.

Gott hat seinen Himmel für seine Erde aufgerissen und in Jesus Christus für alle Zeit und für alle Menschen geöffnet. In unserer Bindung an Jesus Christus sind wir Kinder der Erde und Kinder des Himmels zugleich! Und wir müssen nicht die Geduld verlieren, nicht mit uns selbst und nicht mit unseren Mitmenschen - auch nicht mit unserer Politik und unseren Politikern.

Gottes Liebe hat mit der Geburt Jesu Christi seine und unsere Erde verändert. Will uns unsere Realität mit neuen Augen sehen lehren und uns täglich neu Kraft und Stärke sein zum Glauben, Hoffen und Lieben.

Musik: 1. Die Erde ist des Herrn. Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben. Drum sei zum Dienst bereit, gestundet ist die Zeit, die uns gegeben.

 2. Gebrauche deine Kraft. Denn wer was Neues schafft, der lässt uns hoffen. Vertraue auf den Geist, der in die Zukunft weist. Gott hält sie offen.

Musikinformationen:
Text:   Jochen Rieß
Melodie:  Matthias Nagel

Titel:    „Die Erde ist des Herrn“
Text von Dichter:  Jochen Rieß
Komponist:   Matthias Nagel
Bearbeitet:  Matthias Schlothfeldt

Chor:    Chor und Bläser der Hochschule für Kirchenmusik Herfold
unter der Leitung von: Hildebrand Haake


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