Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.12.11; Präses Nikolaus Schneider

Von Herzen geben

Wenn es um das eigene Geld geht, liebe Hörerinnen und Hörer, wird es schwierig. Vor allem, wenn andere Menschen uns zum Geben drängen.

Auch, wenn eine Sammelaktion uns als notwendige „Gottesgabe“  ans Herz gelegt wird.  Manchmal fällt es schwer, freiwillig, bedingungslos und großzügig zu geben.
Offensichtlich war das vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden im alten Israel nicht anders. Deshalb werden in dem Losungswort für diesen Tag „fröhliche Geber“ ganz ausdrücklich gelobt. Es heißt im ersten Chronikbuch: „Sie gaben’s dem Herrn freiwillig von ganzem Herzen“. (1. Chronik 29,9)

Was gaben die Menschen damals freiwillig und von ganzem Herzen? Es ging um eine Sondersteuer für den Tempelbau in Jerusalem. König David benötigte Sach- und Geldspenden – und fing bei sich selbst an. Der König selbst gab ganz bedeutende Beiträge: Gold, Silber, Schmuck und sehr viel Geld. Und auch die anderen Reichen schonten ihr Vermögen nicht. Starke Schultern trugen mehr als schwache Schultern.

Und dieses Vorbild war offensichtlich so überzeugend, dass auch die kleinen Leute diese Sondersteuer aus vollem Herzen bejahten. Etwas Zweites kam hinzu: Die Menschen bejahten den Zweck  dieser Abgabe. Gottes Name, sein Wort und seine Weisung sollten eine Wohnstatt mitten unter den Menschen bekommen.

Die Menschen dachten: Wir werden einen festen Ort haben, an dem wir Gott begegnen, anbeten und feiern können. Und sie waren bereit, dafür gerne und freiwillig zu geben. Vorbilder und ein überzeugender Zweck, das vermag wohl bis heute die Herzen und die Geldbeutel der Menschen zu öffnen. Das gilt nicht nur für Steuern, sondern auch für Spenden.

Und so versuchte schon der  Apostel Paulus die junge Gemeinde in Korinth dafür zu gewinnen, großzügig  für die Armen in Jerusalem zu spenden. Er schrieb ihr einen Brief, in dem es heißt: „Wie ihr aber in allen Stücken reich seid, im Glauben und im Wort und in der Erkenntnis und in allem Eifer und in der Liebe, die wir in euch erweckt haben, so gebt auch reichlich bei dieser Wohltat.“(2. Korinther 8,7)

Paulus wirbt und argumentiert. Er weitet den Begriff Reichtum aus: Glaube, Gottes Wort, Erkenntnis und Liebe – diese Gaben kamen aus Jerusalem
zu den Korinthern und haben sie bereichert. Die Korinther haben vom geistlichen Reichtum Jerusalems profitiert. Nun sollen auch sie „reichlich“ geben, und zwar von ihren materiellen Gütern, um die Not der Menschen in Jerusalem zu lindern.

Christenmenschen können an der Not ihrer Mitmenschen nicht vorbeisehen und nicht tatenlos vorbeigehen, das ruft der Apostel den Korinthern in Erinnerung. Und das gilt auch für uns heute. Neben Mitgefühl und Mitleid ist es eine Erkenntnis meines christlichen Glaubens, dass ich zum Abgeben und Teilen herausgefordert bin – auch aus Dankbarkeit für die geistlichen Gaben, für den Glauben, den ich empfangen habe.

Meine Weihnachtsfreude darüber, dass Gott für uns Mensch geworden ist, wandelt sich in diesen Tagen auch in ein freudiges Geben für andere. Denn: Was ich Menschen in Not gebe, ist zugleich eine Gabe für Gott. Das haben Christinnen und Christen  von  Jesus Christus gelernt. So lassen Sie uns auch heute dankbar, gerne und mit Freude geben! Einen gesegneten Tag wünsche ich Ihnen allen!

Ihr Präses Nikolaus Schneider aus Düsseldorf.

Audiobeitrag Von Herzen geben


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