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Die Wohltaten Gottes
In Bedrängnis und Not, liebe Hörerinnen und Hörer, wenden Menschen sich an Gott. Das galt früher, das gilt auch heute. Menschen und Völker machen dabei die Erfahrung,
dass ihnen geholfen wird, dass sie gerettet werden und Heil erfahren. Das galt früher. Und das gilt auch heute.
Das Losungswort der Herrnhuter Brüdergemeine für diesen Tag blickt dankbar zurück auf ein solch rettendes Heilshandeln Gottes. Es heißt im 75. Psalm: Mein Mund soll verkündigen deine Gerechtigkeit, täglich deine Wohltaten, die ich nicht zählen kann. (Psalm 71,15)
Der hier betet, hat früher erlebt, dass Gott ihm hilft und ihn rettet. Der hier betet, will sich auch jetzt auf die Zusage Gottes verlassen, dass er seine Menschen aus Willkür retten und vor zügellosem Machtgebrauch schützen wird. Der Beter behaftet Gott dabei, dass er den Menschen Gerechtigkeit versprochen hat. In den vielen Jahren seines Lebens hat der Psalmbeter erfahren:
Mein Leben kann gelingen auch und gerade mit all den Beschwernissen des Alterns! Ich erfahre gelingende Gemeinschaft mit anderen und Zufriedenheit mit mir selbst, auch wenn ich schwach werde. Gottes Gerechtigkeit schenkt mir Wohltaten in einem Maß, das unser menschliches Verdienen, Rechnen und Kalkulieren bei weitem übersteigt.
Gottes Kraft macht die Schwachen groß und tröstet die Bedrängten. Großartig und verschwenderisch zeigt sich Gottes Gerechtigkeit. Wenn ich heute das Gebet lese und höre, hat das Konsequenzen für mein Entscheiden und Handeln. Dann kann ich nicht wegschauen, wo alten oder schwachen Menschen Unrecht geschieht. Wo sie abgeschoben, ausgegrenzt oder misshandelt werden.
Die menschliche Erfahrung der Wohltaten Gottes, liebe Hörerinnen und Hörer, soll Konsequenzen für unser Entscheiden und Handeln haben. Gottes Gerechtigkeit soll uns anleiten, uns selber an einem Recht zu orientieren, das verbunden ist mit Güte und Liebe.
Der Apostel Paulus sagt das so: Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? ( 2. Korinther 6,14 )
Mit diesen Worten wirbt Paulus geradezu: Oh, ihr Korinther, kommt aus der Enge ins Weite! Lasst euch vom Götzendienst der Selbstverherrlichung und der Lebensgier befreien! Dient nicht den vermeintlichen Sachzwängen und der Logik eines Je mehr für mich, desto besser! Oder: alle Macht dem Stärkeren! Vertraut der Gerechtigkeit Gottes. Sie schenkt euch Kraft, dem Unrecht zu widerstehen und zu widersprechen. Sie ist das Licht, in dem euer Leben und das Leben eurer Mitmenschen gelingen können. Im Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit wird eure Gerechtigkeit eine Wohltat sein für alle Menschen und alle Welt.
Dass Sie Gottes Wohltaten heute erfahren mögen, und dass Sie selbst zu einer Wohltat für andere werden im Namen der Gerechtigkeit -, das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen.
Ihr Präses Nikolaus Schneider aus Düsseldorf.
Die Wohltaten Gottes
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