Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.12.11; Präses Nikolaus Schneider

Ein fester Grund

Die Zeit dehnt sich beim Warten, liebe Hörerinnen und Hörer. Das kennen wir vom Warten auf ein großes Ereignis.

Nach allen Vorbereitungen und Planungen steigt die Spannung in dem Verlangen, dass es endlich losgeht. Und wenn der erste Schritt getan, das entscheidende Wort gesagt oder der erste Spaten in den Boden gestochen wird, löst sich die Spannung.

Ein Gefühl großer Freude greift nach uns. Nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Völker können solche Erfahrungen machen. So ging es dem Volk Israel vor zweieinhalbtausend Jahren. Es war aus der Gefangenschaft in Babylonien zurückgekehrt. Es war in der Heimat, aber noch nicht Zuhause. Darauf musste es noch warten. Denn etwas ganz Wesentliches, das Wesentliche fehlte. Das Haus Gottes in der Mitte seiner Gemeinde fehlte. Der Tempel in Jerusalem war zerstört und noch nicht wieder aufgebaut.

Darauf hatte das Volk sehnsüchtig und mit Spannung gewartet. Jetzt endlich ist es soweit! Darüber berichtet uns der Prophet Esra, und davon spricht uns das Losungswort der Herrnhuter Brüdergemeine für den heutigen Tag: „Und das ganze Volk jauchzte laut beim Lobe des Herrn, weil der Grund zum Hause des Herrn gelegt war.“ (Esra 3,11)
Der erste Schritt war getan. Dankbarkeit, Freude und Zuversicht erfüllten die Herzen der Menschen. Sie lobten Gott und jauchzten in der Gewissheit, dass mit der Grundlegung jetzt auch das Ganze gelingen wird.

Aus dieser jubelnden Gewissheit wuchs ihnen Kraft zu, den Tempelbau fertig zu stellen. An großen Gotteshäusern wurde oft jahrzehntelang gearbeitet - am Kölner Dom sogar Jahrhunderte lang. Da braucht es eine andauernde und nachhaltige Zuversicht. Sie kann Menschen geschenkt werden, wenn ihre ihr Jubel über den Beginn in dankbarem Gotteslob mündet: Gott sei Dank. Wir dürfen noch einmal neu anfangen. Gott wird mit unsere Arbeit segnen.

Die Israeliten wussten: Die Grundlegung ist entscheidend für den Bau. Der Grund, das Fundament trägt den ganzen Bau.

In seinem ersten Brief an die Korinther beschreibt der Apostel Paulus, welches Fundament für das Leben von Christinnen und Christen entscheidend ist: 
„Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1. Korinther 3,11)

Jesus Christus hat in seinem Reden und Handeln Menschen gezeigt, wie sie von Gottes Gegenwart und Liebe begleitet ihren Alltag bestehen können. Und er hat durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen Menschen die Gewissheit geschenkt, dass Gottes Macht stärker ist als alle Mächte des Todes. Deshalb ist Jesus Christus der Grund des christlichen  Glaubens, Entscheidens und Handelns.

Das gilt für mein  persönliches Leben als Christ. Das gilt aber auch für die christlichen Kirchen, für ihre innere Ordnung und für ihr ökumenisches Miteinander. Vergessen wir also bei aller Euphorie über neue Anfänge nicht, Gott zu loben, der uns in Jesus Christus einen festen Grund geschenkt hat. Gute Gründe zu jauchzendem Gotteslob wünsche ich Ihnen und mir, und dass Sie diesen Tag auf dem festen Grund Jesus Christus gut bestehen können.

Das wünscht Ihnen Ihr Präses Nikolaus Schneider aus Düsseldorf.

Audiobeitrag Ein fester Grund


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