Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.12.11; Präses Nikolaus Schneider

Der Fluss des Lebens

Der Fluss des Lebens ist für uns manchmal ein Rinnsal der Hoffnungslosigkeit, liebe Hörerinnen und Hörer. Wie eine dürre Wüste erscheinen uns dann unsere Tage.

Ausgetrocknet und leer die Quellen, aus denen sich unsere Lebenszuversicht speist.

Auf solche Erfahrungen bezieht sich das Losungswort der Herrnhuter Brüdergemeine für diesen Tag. Losungsworte sind Verse aus der Bibel, liebe Hörerinnen und Hörer, die Menschen in den Tag begleiten sollen. Das Wort für heute lautet:

„Es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande“, so spricht Gott durch den Mund des Propheten Jesaja zu seinem Volk. (Jesaja 35,6)
„Dürre“ - das war für das Volk Israel damals die Erfahrung einer totalen Niederlage:

Der Tempel war zerstört, die Stadt Jerusalem niedergebrannt. Die Bevölkerung litt unter der Besatzung fremder Soldaten. Und wer dem Sieger nützlich erschien, der wurde ins Exil gebracht.

„Dürre“ - das war und das ist der schmerzliche Verlust all dessen, was den Wurzeln menschlicher Lebenszuversicht Nahrung gibt: Familie und Freundschaft, Beruf und Besitz, Heimat und in alledem: Gottvertrauen.

In die Dürre des Verlustes hinein spricht Gott durch den Propheten Jesaja. Gottes Wort verspricht den Menschen:

Es wird nicht so bleiben, wie es ist.
Krieg und Zerstörung, Heimatlosigkeit, Tod und Verlust werden nicht das letzte Wort behalten.
Eine neue Zeit wird anbrechen!

Für die, die unter der Dürre leiden und dieses Versprechen hören, beginnt die Quelle der Hoffnung neu zu sprudeln: Im Hören und im Vertrauen auf Gottes Wort ist für die Israeliten damals eine neue Zeit angebrochen. Im Hören und im Vertrauen auf Gottes Wort kann auch für Menschen heute eine neue Zeit anbrechen!

Nicht Rinnsale der Hoffnungslosigkeit, sondern einen Strom nachhaltiger Lebensfreude sagt Gott seinen Menschen zu. Deshalb wurde Gott in Jesus Christus für uns Mensch. Deshalb wiederholt Christus das Versprechen Gottes noch einmal und sagt: „Ich bin gekommen, damit meine Schafe das Leben in Fülle haben.“ Für Christinnen und Christen bedeutet das: „Ich kann mein  Leben Jesus Christus anvertrauen: Er hat mir versprochen: Es wird nicht so bleiben, wie es ist. Auch wenn der vor mir liegende Tag mich  ängstigt. Auch wenn sich Hoffnungslosigkeit in meinem Herzen ausgebreitet hat.

Auch wenn mir  alle Quellen der Lebenszuversicht versiegt scheinen: Ich bin wie ein Baum, der am Ufer eines Baches gepflanzt ist. So wie dieser Baum kann ich  täglich neue Nahrung und neue Kraft aus Gottes Wort ziehen.“

Nicht „dürre Wüstenzeiten“, sondern „Leben in Fülle“ ist Gottes Ziel für uns Menschen. Im Vertrauen auf den die Menschen liebenden Gott werden wir diese Fülle auch heute erfahren. Und in der Bindung an Jesus Christus werden wir diese Fülle auch heute schmecken.

Und gerade dann, wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, jetzt Dürre- und Wüstenerfahrungen machen, soll gelten: Das Wort Gottes für diesen Tag soll der Wendepunkt zum Besseren sein.

Wünscht Ihnen Ihr Präses Nikolaus Schneider aus Düsseldorf.

Audiobeitrag Der Fluss des Lebens


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